Wann lohnt sich Repowering?

veröffentlicht am 27.02.2017

Das Repowering von Windenergieanlagen ist durchaus eine planungs- und arbeitsintensive Angelegenheit. Sind jedoch alle Voraussetzungen erfüllt und das Projekt optimal durchgeführt, können Betreiber von einer ganzen Reihe an Vorteilen profitieren: Höhere Erträge an etablierten Standorten mit weniger Anlagen dank besserer Ausnutzung des Windpotenzials, eine optische und akustische Entlastung der Umwelt und nicht zuletzt eine verbesserte Akzeptanz der Windenergienutzung bei der Bevölkerung. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt? wind-turbine.com hat bei Vestas-Repowering-Leiter Jens Kück einmal näher nachgefragt, wann sich der Austausch alter Windenergieanlagen-Technologien wirklich lohnt.

Lohnenswert sind effiziente Standorte

Ein Blick zurück in die Vergangenheit: Deutschland in den 1990er Jahren. Die ersten erfolgreichen Gehversuche der kommerziellen Windenergienutzung sind bereits getan. An windstarken Standorten in Norddeutschland, die zu den besten der Bundesrepublik gehören, produzieren viele Anlagen, zum Beispiel die V44 von Vestas, bereits seit einigen Jahren zuverlässig sauberen Strom. Jahr für Jahr wächst die Anzahl der Turbinen während lukrative Standorte zunehmend knapper werden. Angesichts dieser Situation lohnt es sich heute, über Repowering nachzudenken. Standorte, an denen heute das Windpotential mithilfe moderner Anlagen-Technologien noch effizienter ausgenutzt werden kann, sind oft durch Altanlagen blockiert. Laut Jens Kück dreht sich beim Repowering ohnehin alles um die Effizienz: „Grundsätzlich lohnt sich Repowering immer dann, wenn die Anlagen am neuen Standort effizient errichtet werden können“, so der Repowering-Leiter von Vestas.

alte-windkraftanlagen
Bei diesen älteren Windenergieanlagen kann sich das Repowering sehr lohnen

Die Repowering-Frage sollte sich für Anlagenbetreiber keineswegs erst zum Ende der technischen Lebenszeit ihrer Windenergieanlagen, also nach 20 Jahren, stellen. Abhängig vom Standort, den zu erwartenden Erträgen durch die neuen Technologien und anderen Faktoren, lohnt sich das Repowering ökonomisch oftmals Jahre vorher. „Zwischen 2013 und 2015 betrug in Deutschland das Durchschnittsalter einer stillgelegten Anlage zirka 16 Jahre.“ fügt Jens Kück hinzu. Dies sei die wirtschaftliche Lebenszeit, wenn man so will.

Der richtige Zeitpunkt

Ein gutes Beispiel für den vorzeitigen und lukrativen Austausch von Anlagen liefert der Windpark Hengsterholz in der norddeutschen Gemeinde Ganderkesee im Landkreis Oldenburg. Hier gingen im Jahre 2000 sechs Vestas V47 mit einer Nennleistung von je 660 kW ans Netz. 2016 wurde schließlich die Genehmigung dazu erteilt, sie durch drei Vestas V 117-3.3 MW Anlagen auszutauschen. Die Halbierung der Anlagenzahl geht hier mit einer Vervielfachung der Gesamtleistung des Windparks um den Faktor 2,6 einher.

Wann allerdings der exakt richtige, lohnenswerteste Zeitpunkt für das Repowering ist, lässt sich natürlich nicht pauschal festlegen. Dazu fließen zu viele Faktoren in die Wirtschaftlichkeitsberechnung ein. Einen wesentlichen davon nehmen natürlich die Investitionskosten für die neuen Windenergieanlagen ein. Weitere sind

Da sich die alten Turbinen technisch noch oft in gutem Zustand befinden, lässt sich in der Regel auch ein Abnehmer auf dem Gebrauchtmarkt für Windenergieanlagen finden und die Repowering-Projektkosten etwas verringern. Betreiber von Windenergieanlagen sind also gut beraten, auf die Unterstützung kompetenter Repowering-Dienstleister zu setzen, die bereits über lange Erfahrung auf diesem Gebiet verfügen, die Voraussetzungen genau kennen und ein solches Projekt reibungslos zum Abschluss bringen können.

Küstenstandort Windenergieanlage
Typische Küstenstandorte wie dieser können vielversprechend sein

Herausforderung Ausschreibungsverfahren

Seit dem Beschluss der jüngsten EEG-Novelle im Juli 2016 ist sicher: Das Ausschreibungssystem kommt ab dem 1. Januar 2017. Das bedeutet, dass es für Windenergieanlagen-Betreiber auf die EEG-Förderung fortan keinen gesetzlichen Anspruch mehr gibt. Ob dieser die Förderung erhält, wird in einem Auktionsverfahren entschieden, das von der Bundesnetzagentur durchgeführt wird. Wer hier den Zuschlag erhält, wird gefördert. Die Regel dabei: Die größte Chance auf eine EEG-Förderung haben die Projekte, die mit der geringsten Förderhöhe in Cent pro Kilowattstunde auskommen. Für die Jahre 2017, 2018 und 2019 werden brutto jeweils 2.800 Megawatt Ausbaukapazität ausgeschrieben. 

Erst ab 2020 steigt die Zubaumenge an neuem Windstrom um 100 MW auf 2.900 MW. Im Bereich Windenergie betrifft das Ausschreibungsverfahren Windenergieanlagen ab einer Nennleistung von 750 kW – defacto also jedes Neubau- oder auch Repowering-Projekt. Letztere sind in den Ausschreibungsvolumina bereits inkludiert. Das bedeutet laut Jens Kück auch eine leicht erhöhte Unsicherheit bei der langfristigen Repowering-Projektplanung. Schließlich sind die tatsächlichen Erlöse für neue Vorhaben abhängig von der Zuschlagshöhe des Gebots. Vor diesem Hintergrund wird es deutlich, weshalb zumindest über die Kosten als Variable des Projekts Klarheit und Planbarkeit bestehen muss.

Fazit: Repowering ist kein Vorhaben, das nahtlos an das Ende der technischen Betriebszeit einer Windenergieanlage anknüpft sondern kann sich bereits einige Jahre vorher lohnen. Wichtig ist es hierbei, auf einen erfahrenen Repowering-Partner zu setzen, welcher alle Faktoren und Eventualitäten überblicken kann – gerade auch mit Blick auf das 2017 eingeführte Auktionssystem. Denn Repowering lohnt sich am meisten bei größtmöglicher Planbarkeit, sowohl in finanzieller als auch in organisatorischer Hinsicht.

Quelle : wind-turbine.com