Welche Vorteile bietet Repowering?

veröffentlicht am 09.01.2017

Trotz des vorhandenen Know-hows und einer gewissen Routine auf diesem Gebiet, ist es keine Aufgabe, die sich nebenbei erledigt. Der Austausch älterer Windenergieanlagen gegen Modelle der neuesten Generation bedeutet ähnlich viel Arbeit, wie sie auch bei einer kompletten Neuerrichtung anfällt und bringt zusätzliche Fragestellungen in Bezug auf Sicherheit und Durchführung mit sich. Doch all der Aufwand beim Repowering ist es Wert, denn es ergeben sich zahlreiche Vorteile – sowohl für die Betreiber als auch für die Anwohner in der Umgebung eines Windparks.

Neue alte Ressourcen freigesetzt

In der Pionierzeit wie auch in den späteren Aufstiegsjahren der Windenergie in Deutschland nahmen Betreiber natürlich zunächst die windstärksten Standorte ins Visier, um auf diesen Windenergieanlagen zu installieren – allen voran an der Küste und in den nördlich gelegenen Bundesländern. Man erzielte so die für damalige Technologieverhältnisse bestmöglichen Erträge. Im Laufe der Jahre kamen jedoch immer leistungsfähigere, effizientere und zuverlässigere Modelle auf den Markt, während lukrative Standorte in der Zwischenzeit sehr knapp wurden. 

Grundsätzlich sind die Anlagen aus den früheren Jahren – gute Wartung und Pflege vorausgesetzt – für eine Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren ausgelegt. Der große technologische Sprung neuer Windenergieanlagen und die guten Windverhältnisse vor Ort machen ein Repowering für Betreiber jedoch schon viele Jahre vorher attraktiv: „Sie haben auf einmal Zugang zu sehr windreichen Flächen und zu Flächen, wo Sie den Wind sehr gut kennen, weil dort schon seit sehr vielen Jahren Windenergieanlagen stehen“, bringt es Jens Kück, Leiter Repowering bei Vestas Deutschland auf den Punkt. Die neuen Windenergieanlagen-Technologien eröffnen nun gänzlich neue Möglichkeiten an jahrelang bewährten Standorten, welche bislang durch alte Modelle blockiert wurden.

 

Vorteile des Repowerings

Vor Ort mehr herausholen

Es hat sich einiges getan: Windenergieanlagen der neuen Generation sind dazu in der Lage, ein Vielfaches dessen an Kilowattstunden zu erzeugen, was ihre älteren Pendats leisteten. Sie haben höhere Nennleistungen und Nabenhöhen und besitzen größere Rotordurchmesser sowie aerodynamisch und geometrisch verbesserte Rotorblätter. Kurzum: Wenn die richtigen Windverhältnisse am Standort herrschen, lässt sich das heutige Potenzial besser denn je ausschöpfen. Herrn Kück zufolge können mit neuen Anlagentechnologien auf derselben Fläche erfahrungsgemäß Ertragssteigerungen um das Fünf- bis Zehnfache erreicht werden – die Stromerzeugung per se wird unterm Strich günstiger.

Andererseits lässt sich die Anzahl an Windenergieanlagen in einem Windpark auch auf ein Minimum reduzieren, ohne dass dabei dessen Gesamtleistung sinkt. Heutige Windenergieanlagen mit ihren großen Rotordurchmessern drehen sich zudem deutlich langsamer und leiser als die kleineren, älteren Modelle. Das Repowering ermöglicht es also, Windenergieanlagen-Standorte neu zu ordnen, visuell und akustisch zu entlasten und für Anwohner noch akzeptabler zu gestalten, die sich ansonsten eher gegen die Nutzung der Windenergie in ihrer Umgebung aussprechen.

Höhere Akzeptanz

Trotz der vielen ökonomischen und ökologischen Vorteile der Windenergienutzung stehen ihr mancherorts noch einige Menschen skeptisch gegenüber. Das betrifft insbesondere Bauvorhaben für Windenergieanlagen und Windparks, die von Grund auf neu entstehen sollen. An anderen Standorten hingegen haben sich die Menschen in der direkten Nachbarschaft über die Jahre hinweg bereits an den Anblick eines Windparks im näheren Umfeld gewöhnt. In Anbetracht der genannten Vorteile würden diese eine Reduzierung der Anlagenzahl noch willkommen heißen. Nicht zuletzt können beteiligte Anwohner oder auch die Gemeinde selbst von der erhaltenen und verbesserten Wertschöpfung einer Repowering-Maßnahme profitieren und sehen dieser in der Regel bereits mit Vorfreude entgegen.

 Transport von Turmteilen beim Repowering
Nutzung vorhandener Zufahrtswege beim Repowering

Kein Anfang bei Null

Zwar müssen beim Repowering dieselben Aufgaben und Auflagen erfüllt werden, wie beim Neubau eines Windparks, jedoch gibt es einige Vorteile, die bei Projekten auf der buchstäblich grünen Wiese nicht vorhanden sind. So kann beim Repowering etwa die bereits vorhandene Infrastruktur genutzt oder nur noch entsprechend angepasst werden, wie zum Beispiel

  • Umspannwerke
  • Kabeltrassen
  • Zufahrtswege zum Windpark

und einiges mehr. Dies kann viel Zeitersparnis bedeuten – etwa beim Abtransport der demontierten Teile und des zurückgebauten Betonfundaments sowie auch bei der Anlieferung der neuen Anlagen. Weitere Kosten lassen sich außerdem sparen, wenn die Kräne zur Demontage idealerweise auch zum Neuaufbau des Windparks verwendet werden. Was die gebrauchten Windenergieanlagen betrifft, so lässt sich für diese oftmals noch ein attraktiver Erlös auf dem Zweitmarkt erzielen – entweder im Ganzen oder aber als Ersatzteilspender.

Fazit: Mithilfe der Erfahrung und des Know-hows von Repowering-spezialisierten Unternehmen können die Potenziale windstarker Standorte noch besser und effizienter ausgeschöpft werden. Leistungsstarke Technologien ermöglichen ein Vielfaches an Windstrom-Erträgen mit einer niedrigeren Anlagenanzahl und machen ein Repowering noch Jahre vor Ablauf der angesetzten Lebensdauer rentabel. Trotz der Größe der Anlagen ist die Schallemission und die Rotationsgeschwindigkeit geringer als bei älteren Modellen, weshalb Repowering gerade bei der Bevölkerung vermehrt Zuspruch erhalten kann. Zu guter Letzt kann sowohl die vorhandene Infrastruktur eines Windparks dazu genutzt werden, einen Teil der Kosten für das Repowering-Projekt zu reduzieren, als auch der Verkaufspreis für gebrauchte Windenergieanlagen auf dem Zweitmarkt.

Quelle : wind-turbine.com