Repowering-Potenzial in Deutschland

veröffentlicht am 16.11.2017
Windkraftanlagen-Turm-Transport

Die in Deutschland aufgestellten Windenergieanlagen werden immer älter und damit meistens auch weniger wirtschaftlich. Vor allem im Vergleich zu Modellen der neueren Generation können diverse Alt-Modelle in Effizienz und Ertrag nicht oder nur kaum mithalten. Hier kommt Repowering ins Spiel. Statt sich nur für weitere vier oder fünf Jahre auf ihren Bestandspark zu verlassen, erhalten Windmüller damit neue Sicherheit auf etwa 20 Jahre. Für alle Repowering-Interessenten haben wir nachfolgend einige Informationen zusammengestellt, die zeigen, wie das Repowering-Potenzial in Deutschland aussieht.

Empfehlung des Repowerings ist abhängig von Standort- und Kostenfaktoren

Eine oberflächliche Annahme wie etwa „2019 ist das Repowering für 100 WEA in Deutschland sinnvoll“ aufzustellen würde der Komplexität des Themas nicht gerecht. Denn für wie viele WEA das Repowering zu einem bestimmten Zeitpunkt sinnvoll ist, hängt von einigen Bedingungen ab, die sich aus unterschiedlichen Datenquellen speisen. Je nachdem, wie sich diese Faktoren, die die Wirtschaftlichkeitsberechnungen zum Repowering-Projekt beeinflussen, ausprägen, ergeben sich für unterschiedliche Jahre völlig unterschiedliche Zahlen. Repowering-Experten von Vestas Central Europe haben deshalb in enger Zusammenarbeit mit Forschern des Instituts für Integrierte Produktion Hannover (IPH) unter der Projektleitung von Martin Westbomke ein Tool entwickelt, das die Berechnung des Repowering-Potenzials unter Einbezug der folgenden, wichtigen Aspekte ermöglicht:

  • Standortdaten zum Windpotenzial (an bestimmten Standorten in bestimmten Höhen)
  • Standortdaten der Altanlage (Koordinaten, Leistung, Typ, Alter, Höhe, Anzahl)
  • Restriktionen (Windvorranggebiete, Potenzial- und Ausschlussflächen)
  • Kosten- und Erlösfaktoren des Bestandsprojekts vs. Repowering (darunter auch der Gebotspreis für die Ausschreibungsrunde)

Die Beteiligten und Projektleiter Martin Westbomke waren so freundlich, wind-turbine.com Einsicht zu gewähren in einen Teil der Ergebnisse der noch unveröffentlichten Arbeit, woraus sich folgende Feststellungen ergeben haben:

Bei einem bezuschlagten Gebotspreis von 46 €/MWh wird das sofortige Repowering von 3147 WEA empfohlen, während ein niedrigerer Gebotspreis von 39 €/MWh die Menge der WEA, für die sofortiges Repowering sinnvoll ist, schon auf 162 sinken lässt.

Wann ist Repowering sinnvoll?

Repowering lohnt sich vor allem an solchen Standorten, die ein besonders großes Windpotenzial bieten. Dieses wird von modernen Windkraftanlagen besser ausgenutzt als dies bei älteren Modellen der Fall ist. Da lukrative Standorte, die noch nicht mit WEA besetzt sind, in Deutschland immer weniger werden, kann vor allem durch Repowering noch ein Ausbau der Windkraft erreicht werden. Bestandsflächen, die beispielsweise wegen strengerer Abstandsregelungen keine Neuanlagen mehr aufnehmen können, fallen von vornherein für Repowering-Projekte aus. Letztere lohnen sich insbesondere dann, wenn sie sich gegenüber dem Weiterbetrieb der Altanlagen als wirtschaftlicher erweisen. In die Kostenkalkulation sollten u. a. die folgenden Faktoren einfließen:

  • Restlaufzeit der Bestandsanlagen im EEG und Höhe der Vergütung nach EEG
  • Energieertrag der Bestandsanlagen
  • Vergütung für Neuanlagen (abhängig u. a. von Gebotspreis und Standortgüte)
  • Energieertrag der Neuanlagen
  • Betriebskosten (OPEX) Bestands- vs. Neuanlagen
  • Kapitalausgaben (CAPEX) Bestands- vs. Neuanlagen
  • Steuern

Wann ein Repowering-Projekt sich lohnt, hängt also wie bereits beschrieben ganz stark vom Gebotspreis ab, mit dem Betreiber in die Ausschreibung geht. Diesen präzise, aber nicht so niedrig zu kalkulieren, dass er die Wirtschaftlichkeit des gesamten Projekts gefährdet, ist eine Aufgabe, der nur Profis gerecht werden können.

Quelle : wind-turbine.com