PPA im deutlichen Aufwärtstrend

veröffentlicht am 06.06.2019

Bei den erneuerbaren Energien in Deutschland kommt es zu einer Trendwende. Nicht beim Bau von Wind-, Solar- oder Biomasseanlagen, sondern bei deren künftigen Finanzierung. Statt fester Vergütungstarife, wie sie die Betreiber erneuerbarer Energien im Grunde genommen seit dem Inkrafttreten des Stromeinspeisungsgesetzes im Jahr 1991 kannten, werden die Planung, die Investition und der Betrieb künftig zunehmend auf Basis von sogenannten Power Purchase Agreements (PPA) erfolgen, sprich direkten Stromlieferverträgen zwischen den Erzeugern und Abnehmern, vornehmlich aus Industrie und Gewerbe.

PPA-Verträge für Windparks
'Power Purchase Agreements' – mehr als nur ein vorübergehender Trend?

"PPA-Barometer" von 'Energie & Management' und Enervis

Nachdem es im vergangenen Jahr hierzulande bereits die ersten PPA-Vereinbarungen für die sogenannten „Ü-20-Anlagen“ gegeben hat, also  für die regenerativen Kraftwerke, die ab 2021 nach 20-jähriger Förderung sukzessive keine Förderung mehr nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz erhalten, haben vor kurzem die Fachzeitung Energie & Management (E&M) und das Beratungshaus Enervis Energy Adivsors ihr „PPA-Barometer“ gestartet – ein Novum auf dem deutschen Energiemarkt. Mit dieser ersten gemeinsamen Umfrage wollten beide Partner auszuleuchten, welche Erwartungen Energieversorger, Direktvermarkter, Projektentwickler und Anlagenbetreiber mit Power Purchase Agreements für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien verbinden. E&M konnte bei dieser Markterhebung auf die Umfragen zur Situation und den Perspektiven der Direktvermarktung von Strom aus EEG-Anlagen zurückgreifen, die es mittlerweile seit 2013 gibt.

Die wichtigsten Ergebnisse des ersten „PPA-Barometers“ von E&M und Enervis, die seit Anfang Juni vorliegen, sind:

  • Immerhin zwei Drittel aller Befragten gehen davon aus, dass bereits 2025 bis zu 50 Prozent aller neuen Ökokraftwerke auf Basis von PPA finanziert werden – also bereits in gut fünf Jahren (!). 15 % erwarten, dass es sogar mehr als die Hälfte sind. 
  • Deshalb verwundert es nicht, dass mehr als die Hälfte der an der Umfrage beteiligten Unternehmen, PPA als den zentralen Treiber für den weiteren Ökostromausbau in Deutschland im kommenden Jahrzehnt sehen. Die positivste Einschätzung gibt es dabei von Seiten der Projektentwickler. Allerdings halten 29 % der Teilnehmer eine solch positive Bewertung noch für zu früh. Nicht übersehen werden darf, dass 18 % der Teilnehmer PPA derzeit für überbewertet halten.
  • Diese Zurückhaltung dürfte auch mit zwei großen Hindernissen zusammenhängen, die eine Reihe von Marktakteuren bei der Umfrage genannt haben: dem Ausfallrisiko des Vertragspartners sowie Marktrisiken, worunter die Entwicklung der Strom- und der Ausgleichsenergiepreise fallen. Dass PPA hierzulande noch ein neues Instrument ist, zeigt auch die Tatsache, dass Komplexität und hohe Transaktionskosten bei den Vertragsabschlüssen sowie ungünstige Finanzierungskonditionen als weitere wichtige Hindernisse genannt worden sind. 

Dennoch zeigten die Ergebnisse des 1. PPA-Barometers von E&M + Enervis, „dass Power Purchase Agreements mehr als ein vorrübergehender Trend sind, sondern die Energiewirtschaft in Zukunft maßgeblich prägen werden“, urteilt Enervis-Experte Nicolai Herrmann. „Ein erheblicher Teil des Zubaus erneuerbarer Energien in den kommenden Jahren wird nicht mehr EEG-gefördert sein, sondern auf PPA-Abschlüssen basieren.“ 

Die Ergebnisse der Umfrage decken sich mit einer Enervis-Abschätzung aus dem vergangenen Jahr: Danach werden über PPA finanzierte Wind- und Solarprojekte bis 2020 lediglich 1 % der installierten grünen Kraftwerksleistung in Europa ausmachen. Diese Quote wird bis Mitte der 2020er-Jahre bereits sprunghaft ansteigen. Für Anfang der 2030er-Jahre erwartet Enervis, dass der Zubau erneuerbarer Energien fast vollständig auf PPA-Basis erfolgt. Zehn Jahre später werde europaweit sogar die Hälfte aller installierten Wind- und Solarparks dank PPA-Verträgen in Betrieb sein − PPA werden dann das Standardinstrument für deren Finanzierung sein. Bislang erfolgte der Zubau fast ausschließlich über staatliche Förderregime wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz. 

Fest steht bereits heute: Das Kürzel PPA wird bereits in Kürze zum festen Vokabular der Deutsche Ökoenergienbranche zählen.

 

Quelle : wind-turbine.com