Frankreich: EDF baut weltweit erstes Gezeitenkraftwerk im offenen Meer

veröffentlicht am 09.11.2012
Während hierzulande unzählige Windenergieanlagen sprichwörtlich aus dem Boden sprießen, plant man in Frankreich das weltweit erste Unterwasserkraftwerk im offenen Meer. Die Initiative ergreift dabei der französische staatliche Atomkonzern Électricité de France. Bislang sind zahlreiche geplante Projekte der Pariser Zentralregierung am Protest der Bevölkerung in der Bretagne gescheitert. Diesmal wollen die Bretonen jedoch mitspielen. Dies ist nicht zuletzt ein Verdienst des EdF-Managers Vincent Denby-Wilkes. Dieser schlug der Bevölkerung in der Bretagne eine Bürgerbeteiligung an diesem Pilotprojekt vor. Das  Gezeitenkraftwerk im offenen Meer soll künftig 2,2 Megawatt liefern, und das bei einer Höhe inklusive Standgerüst von 21 Metern und einem Gewicht von 850 Tonnen.

Vorteile gegenüber Offshore-Windkraft


Im kommenden Jahr soll das Gezeitenkraftwerk vor der Küste von Paimpol-Bréhat versenkt werden. Mit dieser vergleichsweise kleinen Testanlage lässt sich bereits der jährliche Strombedarf von knapp 3000 Haushalten decken. Anders als bei Offshore-Windenergieanlagen sind keinerlei Fundamentbohrungen für die Errichtung des Gezeitenkraftwerks nötig, da die Turbinen lediglich auf dem Meeresgrund abgesetzt werden. Der künftige Einsatzort wurde von ortsansässigen Fischern ausgewählt. Dabei handelt es sich um eine Schutzzone für Krustentiere und Hummer, wo die Fischer ohnehin nicht auf Fang gehen. An den für die Energieproduktion maßgeblichen Stellen herrschen Strömungsgeschwindigkeiten von mindestens drei Metern pro Sekunde. Derlei strömungsstarke Orte gehören ohnehin nicht zu den Lebensräumen der dortigen Fische. Zuvor wurde die Anlage monatelang im European Marine Energy Center auf den Orkney Islands in Schottland umfangreich getestet. Der Testlauf verlief fehlerfrei. Zudem arbeiten die Gezeitenturbinen völlig gleichmäßig und vorhersagbar, Dank der gleichmäßig wechselnden Gezeiten im sechsstündigen Rhythmus.