Digitale Startups – Beschleuniger der Energiewende?

veröffentlicht am 15.12.2022

Mit seiner Hymne „Zeit, dass sich was dreht“ zur WM 2006 in Deutschland landete Ruhrpott-Urgestein Herbert Grönemeyer einen riesigen Chart-Erfolg und steuerte seinen Teil zur Aufbruchstimmung in Fußball-Deutschland, die die Nationalelf bis ins Halbfinale trug. Aufbruchstimmung – diese kennt man in der deutschen Windbranche durchaus. Doch wie die Erfolge der "Mannschaft" liegen die Windenergie-Boomjahre viele Jahre zurück. Es ist in der Tat höchste Zeit, die Dinge wieder in Bewegung zu setzen. Aber wie?

Digitalisierung Startups Windenergie
Kann die Digitalisierung der Energiewende den nötigen Schub verleihen? | (c) peach_adobe - stock.adobe.com

Zwar ist Korrelation keine Kausalität, allerdings scheint die Leistungskurve des Windenergie-Zubaus in Deutschland Hand in Hand mit jener des DFB-Teams zu gehen: Nach dem Hoch in 2002 folgt ein weiteres im Jahre 2006 mit 2,2 Gigawatt Zubau, anschließend ein kleiner Knick, bis die Zubauzahlen ab 2010 erneut Aufwind erhielten. Im Jahr des WM-Siegs 2014 lag die Marke schon bei 4,75 Gigawatt an neu installierter Leistung, die 2017 in 5,3 Gigawatt Windenergie-Zubau gipfelte.

2017 ist auch das Jahr, in welchem das EEG-2017 mit dem Auktionsverfahren und dem gedeckelten Ausschreibungsvolumen für Windenergieanlagen in Kraft trat. Das blieb nicht ohne Folgen. Schon ab 2018 – manche erinnern sich noch an das desaströse Ausscheiden der deutschen Elf in der Vorrunde – folgte dem grandiosen Ausbau-Peak eine Phase des Einbruchs : Mit nur 2,4 Gigawatt wurde weniger als halb so viel Windleistung installiert. Ein Jahr später markierten aufgerundet 1,1 Gigawatt Zubau bereits einen neuen Tiefpunkt, wie man ihn seit zwei Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat.

Zwar erlebte die Windenergie in Deutschland 2020 und 2021 wieder einen neuen Aufschwung, doch auch in diesem erneuten WM-Jahr 2022 bleibt der Ausbau der Kapazitäten meilenweit hinter den Zielen der Bundesregierung zurück. Ganz so, wie die fußballerischen Erfolge – und das trotz des neuen Trainerteams. 

Digitalisierung der Windbranche: Es gibt Diskussionsbedarf

In puncto Windenergie-Ausbau ist also – trotz aller Habeckscher Osterpakete & Co – noch immer allerhöchste „Zeit, dass sich was dreht“. Sei es in Bezug auf politische Rahmenbedingungen, seien es die überwiegend analogen Prozesse, die sich wie ein roter Faden von der Planung bis zur meist viele Jahre später folgenden Umsetzung von Windprojekten ziehen, oder sei es hinsichtlich der digitalen Ausrichtung der einzelnen Akteure der Branche. Es kommt eben nicht nur allein auf den „Trainer“ und dessen Strategie an, sondern auch auf mitziehende „Spieler“.

Kann die Digitalisierung als Treiber der Energiewende fungieren? Haben Startups mit ihrem Innovationsdrang und digital ausgerichteten Geschäftsmodellen das Zeug dazu, ihren Fußabdruck und neue Frische in der Windbranche zu hinterlassen? Wie lassen sich langjährig etablierte Prozesse durch Digitalisierung endlich effizienter gestalten und welche Risiken gehen mit all dem einher?

Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigen wir uns in der Premierenfolge unseres neuen Windenergie.Macher-Podcasts. In dieses Format werden wir regelmäßig die spannendsten Vordenker aus der Windbranche einladen und uns mit ihnen über ihre Gedanken und Lösungen austauschen, wie sich die Energiewende beschleunigen lässt. Unter dem Titel „Digitale Startups – Beschleuniger der Energiewende? “, die wir auf einer Podiumsdiskussion auf den Windenergietagen 2022 in Linstow aufgezeichnet haben, machen wir den Anfang.

Podiumsdiskussion Windenergietage 2022
Mal über das Thema Digitalisierung sprechen – das dachten sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion im Rahmen der Spreewind-Pitchnight auf den Windenergietagen 2022

Hier sprechen wind-turbine-Gründer Bernd Weidmann, Prof. Dr. Carsten Hahn von der Fachhochschule Karlsruhe, Anja Spannaus von der re:cap global investors ag, Andreas Mertens von der avameo GmbH, und Matthias Willenbacher von der wiwin GmbH über die Herausforderungen und die Chancen der Digitalisierung der Windbranche. Moderatorisch begleitet wird das Ganze von Michael Krieger von mkrieger UG.

Wir wünschen viel Vergnügen beim Reinhören!

Inhaltsverzeichnis

 

Wie relevant ist das Thema Digitalisierung?

Zu Beginn der Podiumsdiskussion wendete sich die Moderation mit der Frage an die Runde, wie wichtig Digitalisierung für die Energiewende ist. Auf einer Skala von 1-10 galt es nun für jeden Teilnehmer eine Bewertung vorzunehmen. Dies ist das Ergebnis:

Matthias Willenbacher: 

Gibt eine 4, da er die Digitalisierung zwar grundsätzlich als sehr wichtig erachtet, aber die politischen Rahmenbedingungen erst geschaffen werden müssen und auch die Zustimmung in der Bevölkerung vonnöten ist.

Anja Spannaus: 

Sie ist mit einer 8 dabei, da alle Voraussetzungen, etwa in puncto Technik, geschaffen sind. Anja Spannaus ist der festen Überzeugung, dass sich der gesamte Wind- und Strommarkt verändern wird und Digitalisierung unerlässlich ist, um solch komplexe Themen in effizienten Strukturen abzubilden.

Andreas Mertens: 

Vergibt mit der 10 die Höchstpunktzahl. Auch er streicht heraus, dass alle Voraussetzungen vorhanden sind und lediglich die Politik hier noch als Hemmschuh fungiert. Er glaubt, dass die Energiekrise als Katalysator wirken kann, Druck auf die Politik zu machen und die Notwendigkeit der Digitalisierung aufzuzeigen.

Carsten Hahn: 

Hahn hatte sich gedanklich schon auf eine 8 festgelegt. Da Anja Spannaus jedoch bereits mit 8 gevotet hat, ist er kurzerhand auf die 7 umgeschwenkt. Analog zu den anderen sieht auch er die Digitalisierung als sehr wichtig an, betont aber auch die Hindernisse, die noch aus dem Weg zu räumen sind. Zu diesen zählt neben der Politik die Einstellung zur Digitalisierung. Exemplarisch ist dabei der Datenschutz, der in Europa sehr wichtig ist, gleichzeitig aber Innovationen bremst. Es gelte, einen gesunden Mittelweg zu finden zwischen Vorsicht und Innovation. 

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Was muss in der Politik angepackt werden, damit es vorangeht?

Aktenordner Gutachten Windenergie
Unmengen analoger Daten sammeln sich im Laufe eines Windenergie-Projekts in analog angestaubten Prozessen an. Je mehr, desto besser, so scheint es. | (c) Mediaparts - stock.adobe.com

In der Politik müsse, darin sind sich die Diskutierenden einig, ein Umdenken stattfinden. Dahingehend, analoge Prozesse nicht zu digitalisieren, sondern einen digitalen Prozess daraus zu machen. In vielen Fällen ist es besser, die Prozesse völlig neu zu denken, dass sie digital ganz anders darstellbar sind. Die Devise lautet also, davon wegzukommen, immer vom analogen Prozess auszugehen. 

Problematisch ist dabei allerdings der Umstand, dass die Personen, die die analogen Prozesse verantworten, gleichzeitig auch für die Digitalisierung dieser verantwortlich sind. Teilweise fehlt auch bei den Personen, die diese Prozesse durchführen, die Kompetenz. Hier bietet sich der Ansatz an, Leute aus anderen Fachgebieten ins Boot zu holen, welche die Thematik von einem anderen Standpunkt betrachten. Bei diesem „Out-of-the-box-Denken“ kann es jedoch mitunter zu Akzeptanzproblemen innerhalb von Organisationen mangeln, die diesen Prozess schlussendlich verhindern.

Leider werden derzeit eher Rückschritte vonseiten der Politik gemacht, was die Digitalisierung anbelangt. Konkretes Beispiel: Seit dem 1. August dieses Jahres müssen Arbeitsverträge gemäß Arbeitsgesetz wieder in Papierform zurückgeführt werden. Die Entscheidung begründet sich in mangelnder Digitalkompetenz in der Politik, aber auch weil es in der Gesellschaft eine digitale Kluft gibt, die überwunden werden muss.

In der Runde fiel zudem das Argument, dass hohe Ziele gesteckt werden, versehen mit einer Deadline, z.B. wir wollen eine Energiewende und 2030 200 Gigawatt Leistung haben. Besser wäre es dagegen, große Visionen in kleinen Schritten unterzubringen, etwa „Wir wollen Genehmigungsverfahren in 3 Monaten“ oder „Wir wollen ein BImSchG-Verfahren nicht innerhalb von 7, sondern von 3 Jahren“. Gelingt es, derlei Fragen zu klären, lassen sich daraus weitere Schritte ableiten.

Matthias Willenbacher legte als Letzter seine Ansichten zum Thema dar und fokussierte sich dabei insbesondere auf den Bereich der Windenergie, daher möchten wir an dieser Stelle etwas ausführlicher auf seine Verlautbarungen eingehen. Geht es nach ihm, lässt man von nun alle Genehmigungen nach Paragraph 35 des Baugesetzbuches (BauGB) losgehen. Umgekehrt haben die Gemeinden die Chance, wenn sie Minimum zwei Prozent ausgewiesen haben, das Ganze einzugrenzen.

Sollten keine 2% ausgewiesen sein, müsse es überall möglich sein, ein Windrad zu bauen. Dies würde den Druck vom Kessel nehmen – sofern es von den richtigen Maßnahmen flankiert wird. Willenbacher nimmt hier die vor allem Bürger und Kommunen in die Pflicht. Gelingt es, diese ins Boot zu holen, wäre es möglich, die Energiewende bürgerfreundlich zu gestalten. Auch in puncto Solarenergie sollte ein Umdenken stattfinden. Etwa 1% der landwirtschaftlichen Fläche wird für Solarparks benötigt, was kein Problem darstellt, da hierfür ausreichend Flächen zur Verfügung stehen. Der Vorschlag ähnelt dem aus der Windenergie: Bis Kommunen nicht 1% ausgewiesen haben, gilt das freie Prinzip, dass jeder einen Solarpark errichten darf. Das würde dem Ausbau voranbringen. Die Genehmigungsprozesse müssten selbstredend digitalisiert werden, um sie zu beschleunigen. 

Die Genehmigungsverfahren sollten auf maximal zwei Jahre begrenzt werden. Setzt die Behörde dies innerhalb des Zeitraums um, gilt automatisch eine faktische Genehmigung. Darauf werde sich jedoch nur in den seltensten Fällen berufen. An der Tagesordnung sei stattdessen, dass man bei einer Genehmigungsbehörde vorstellig wird, welche die Vollständigkeit bescheinigen soll. Sorgen beispielsweise simple Kommafehler dafür, dass die Vollständigkeit nicht bescheinigt wird, wird das Prozedere unnötig in die Länge gezogen. Es müsse zwingend eine Grenze gezogen werden, bei der Genehmigungen nicht erteilt werden. Und diese Grenze müssten triftige Gründe sein. 

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Risiken für die Energiewende durch Digitalisierung

Windenergie Cybersicherheit
Darf unter keinen Umständen vernachlässigt werden: Das Thema Cybersicherheit. Immer häufiger kommt es auch im Bereich Windenergie zu Cyberattacken | (c) Skórzewiak - stock.adobe.com

Ein Nachteil der auf der Hand liegt, ist die Tatsache, dass nicht nur die Windkraftbefürworter sich digitalisieren, sondern auch die Gegner. So gibt es für Windkraftgegner nicht nur das Portal „EIKE“, sondern auch diverse Dokumente zum Download, die für eine enge Vernetzung der Mitglieder bis in die Ministerien sorgen. Ein weiteres Risiko liege im bunten Strauß an Digitalisierungs-Möglichkeiten, der zur Verfügung steht. Schnell stellt sich die Frag: "Welche Option ist nun die richtige für mich und wie kann dieser an meine Bedürfnisse angepasst werden?"

Ein weiterer Gefahrenpunkt ist die IT-Sicherheit. Jüngstes Beispiel ist hier der Fall Nordic Choice Hotels, die im Mai Opfer zweier Cyberangriffe wurden und jetzt erst wieder voll einsatzfähig sind. Wenn sich solche Angriffe in größerer Anzahl bei Smart-Home und Smart-Grid ereignen sollten, werde die Angst groß sein und der Rückschritt in Sachen Digitalisierung vorprogrammiert. Ziel bei der IT-Sicherheit in puncto Digitalisierung müsse daher sein, den Spagat zwischen DSGVO-Konformität und Sicherheit zu schaffen.  

Ein weiterer Risikofaktor der Digitalisierung  – schlechte Umsetzung:

  • Dinge funktionieren gar nicht
  • Dinge funktionieren nur teilweise
  • Verantwortlichkeiten sind nicht geklärt
  • Security ist nicht umgesetzt
  • Prozesse sind nicht sauber durchdacht
  • Es wird versucht, Prozesse 1 zu 1 von analog in digital zu übersetzen

Das A und O sei die professionelle Umsetzung auf vielen Ebenen – sei es auf juristischer Ebene, in puncto Security oder auf Prozessebene. Zudem müssten die Menschen in diesem Zusammenhang abgeholt werden.

Carsten Hahn betrachtet die Energiewende beziehungsweise erneuerbare Energien bei dieser Frage aus einem völlig anderen Blickwinkel. Er zieht einen Vergleich mit der Entwicklung des Internets in den letzten 30 Jahren. Zu Beginn existierten ausschließlich die großen Mainframes, also zentralisierte Rechner. Mit Beginn der Dezentralisierung wurden plötzlich alle Rechner im Internet miteinander verknüpft und jeder fungierte als Knoten. Es gab große Chancen, jedoch sind auch die Risiken, welche das Internet birgt, zu sehen.

Auch hier kommt wieder die Zentralisierung ins Spiel. Denn genau die ist im Internet bei den großen Plattformen zu beobachten – etwa bei Amazon, die den Onlinehandel dirigieren. Es sei eine Analogie zwischen Internet und erneuerbare Energie zu erkennen. Beim Internet waren es die zentralisierten Rechner, während die erneuerbaren Energien ihre Anfänge in großen, zentralen Kraftwerken nahmen. Die Entwicklung geht jedoch immer mehr in Richtung Dezentralisierung, was sich im Bau von Windparks und der Installation von Solarpanels zeigt.

Es gelte laut Hahn nun, aus den Erfahrungen des Internets zu lernen. In Bezug auf erneuerbare Energien bedeutet das konkret: Verhindern, dass die zentralen Netzbetreiber die Vorteile der Dezentralisierung blockieren. Das Internet entwickelt sich auch fortlaufend weiter. Derzeit befinden wir uns im Web3, bei dem man wieder an Dezentralisierung denkt und sich an die Prinzipien des Internets zurückerinnert. 

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Was können Startups im Kontext der Digitalisierung konkret unternehmen?

Bevor Moderator Michael Krieger seine letzte Frage an die Teilnehmer der Podiumsdiskussion stellte, bot sich für alle Zuhörenden die Chance, Fragen an die Teilnehmer zu stellen. Aufgrund des Zeitdrucks blieb es bei der Frage, was Startups im Kontex der Digitalisierung konkret unternehmen könnten.

Die Wildcard „What could be the Worst Case?“ müsse gedacht werden und genau dafür müssten Lösungen erarbeitet werden. Diese Lösungen seien zuweilen noch disruptiv – allerdings seien Startups genau dafür da, so Spannaus. 

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Wo stehen wir in fünf Jahren?

Zukunft Energiewende
Die Zukunft der Energiewende dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach digital geprägt sein. Wann es soweit ist und welche Rolle digitale Startups dabei spielen, wird sich zeigen. | (c) Yingyaipumi - stock.adobe.com

Es klingt ein wenig nach der obligatorischen Frage, die in so gut wie jedem Vorstellungsgespräch gestellt wird – die Frage, wo man sich in fünf Jahren wohl sehen würde. Doch welche Vorstellung haben die Teilnehmer der Podiumsdiskussion von der Zukunft der Energiewende und wie lautet ihre Antwort auf die Frage: "Angenommen, wir sehen uns in fünf Jahren wieder. Haben wir dann einen Fortschritt erzielt?", die zum Abschluss der Runde gestellt wurde?

Carsten Hahn:

„Ein klares Ja. In den nächsten 5 Jahren haben wir Zeit en masse, Dinge auszuprobieren. Das Testing müssen wir auch durchführen, da wir noch keinen Best Practice haben, bei dem wir wissen, dass er funktioniert. Hier kommen die Startups ins Spiel: Startups sind Experimentallabore, sie können ausprobieren und explorieren, während große Unternehmen sich eher dadurch auszeichnen, dass sie Execution können.

Es ist daher zu hoffen, dass es den nächsten Jahren viele Startups gibt, auch wenn sich einige davon eventuell nicht halten können, haben sie einen Beitrag geleistet, da sie etwas ausprobiert haben.Außerdem: Ein gutes Startup gibt auch bei Erfolglosigkeit nicht auf. Mit einem guten Team besteht immer die Möglichkeit, auch nach anfänglichen Fehlschlägen noch den richtigen Kurs einzuschlagen.“

 

Andreas Mertens:

„In fünf Jahren wird allein schon wegen dem herrschenden Druck in allen Bereichen ein Fortschritt zu verzeichnen sein. Konkret auf die Startups bezogen: Hier ist es essenziell, sich Branchenkenner respektive Branchenkenntnisse mit ins Boot zu holen. Oftmals scheitern Startups, weil sie die Komplexität der jeweiligen Branche nicht erfasst haben. Ein weiteres Thema ist interdisziplinär vernetzt denken. Exemplarisch ist hier das Thema Flächen zu nennen. Eine vermeintlich Gesetzesänderung bzw. Regulierung, die einen ganz anderen Blick auf die spätere Lösung gibt.“

 

Anja Spannaus:

„Die Veränderung wird kommen, allein aus der Verantwortung unseren Kindern gegenüber. Sie brauchen uns und damit einhergehend eine Welt, in der sie leben können. Dafür muss zwangsläufig eine Veränderung herbeigeführt werden, an der wir uns final messen lassen müssen.“

 

Matthias Willenbacher:

„Da meine Kollegen alle die Position eingenommen haben, dass es zu mehr oder weniger weitgreifenden Veränderungen kommen wird, möchte ich nun einmal eine Gegenposition einnehmen. In gewissen Teilen wird es meiner Ansicht nach nicht zu Veränderungen kommen. In Rheinland-Pfalz fand vor zwei Jahren eine Wahl statt, in der postuliert wurde, dass man von nun an viel schneller vorangehen wolle, allerdings sind bis heute die meisten Prozesse – z.B. die Verkleinerung des Grenzabstands für Windräder – bis dato nicht an die Kommunen durchgegeben worden.

Es wird nach wie vor nach dem Maßstab gehandelt, der bereits vor der Wahl galt. Und dass, obwohl alle für die Veränderung sind. Seit nunmehr 27 Jahren kämpfe ich dafür, dass die Erde auch viele Generationen nach der unseren noch bewohnbar ist und seit genau so vielen Jahren merke ich, dass es mitunter ein Kampf gegen Windmühlen ist und vor allem ein Kampf, bei dem das schärfste Schwert das Portemonnaie ist.

Daran anknüpfend abschließend noch Folgendes: In Afrika denken Staaten das erste Mal darüber nach, große Kohlekraftwerke zu bauen, mit der Begründung: „Ihr habt sie doch auch gebaut und bezieht jetzt noch mehr Kohle oder Gas aus dem Senegal, warum verwehrt ihr uns die Möglichkeit, das jetzt auch zu tun? Dann hört doch auf, Gas und Kohle aus Afrika zu beziehen, dann können wir das vielleicht auch machen.“ Hier tragen wir eine sehr hohe Verantwortung, der es gilt, gerecht zu werden. Wir investieren jedoch 200 Milliarden Euro in eine falsche Krisenpolitik, statt diese 200 Milliarden in Afrika zu investieren, damit hier die Energiewende richtig durchgeführt wird.“ 

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Quo Vadis Windenergie? So dreht sich wieder was

Der Rat der Windkraft-Experten hat getagt, es wurden Meinungen und Visionen ausgetauscht, Probleme aufgezeigt und ein Blick in die Zukunft gewagt. Doch, was lässt sich aus dieser Podiumsdiskussion grundlegend mitnehmen? Drei wesentliche Aspekte stechen hervor:

1. Es geht nicht ohne Digitalisierung

Gerade in puncto Windenergie ist die Digitalisierung ein sehr wichtiges Thema ist, dass es anzupacken gilt. Um hier Fortschritte zu erzielen, müssen allerdings noch diverse Voraussetzungen geschaffen werden, von politischen Rahmenbedingungen über die Zustimmung in der Bevölkerung bis hin zu essenziellen Themen wie IT-Sicherheit.

2. Es geht nicht ohne Startups

Nicht alle etablierten Unternehmen haben die Fähigkeit, aus ebenso etablierten, analogen Prozessen auszubrechen oder von Grund auf neue Methoden zu ersinnen. Dabei kommen Startups als Innovationstreiber ins Spiel: Sie sind gewissermaßen Experimentallabore, in denen ausprobieren und exploriert werden kann. Rückschläge gehören dabei dazu. Und selbst, wenn sich einige dieser neuen Unternehmen wirtschaftlich nicht halten können oder der Markt noch nicht bereit für ihre Ideen ist, haben sie doch einen wichtigen Beitrag zum Umdenken geleistet.

3. Es geht nicht ohne ein Umdenken

Schablonenhafte Prozesse müssen der Vergangenheit angehören. Analoge Prozesse dürfen nicht einfach bloß digitalisiert werden. Man muss digitale Prozesse aus ihnen machen, indem man „out-of-the-box“ und branchenübergreifend denkt. Zugleich ist auch eine Steigerung der Digitalkompetenz innerhalb der Bevölkerung vonnöten, wenn dieser Hemmschuh der Digitalisierung abgestreift werden soll.

Wenn sich mindestens diese drei Dinge unter einen Hut bringen lassen, erwartet die Windenergie-Branche in Deutschland durchaus eine großartige Chance darauf, dass sich wieder etwas zu ihrem Gunsten dreht. 

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Quelle : wind-turbine.com