Die größten Risiken für Windenergieanlagen – Teil 2

veröffentlicht am 06.04.2017
Windpark im Sonnenuntergang

In unserem vergangenen Artikel ging es mit dem Transport, der Montage und verschiedenen Naturgewalten um drei wesentliche Risiken, die Betreibern bei ihrem Windprojekt drohen. Durch entsprechende Versicherungen, die auf den Bereich Windenergie zugeschnitten sind, können sie diese jedoch abdecken und sich so vor einer finanziellen Katastrophe schützen. Nachfolgend setzen wir unsere Reihe fort und stellen Ihnen weitere Gefahren vor, die Sie als Anlagenbetreiber im Auge behalten sollten.

Risiko 4: Defekte Bauteile

Windenergieanlagen gehören in Deutschland zu den sichersten Bauwerken und werden aus baurechtlicher Sicht – ebenso wie Brücken –   zu den Baulichen Anlagen gezählt. Sie müssen gemäß der Richtlinie des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) typengeprüft und genehmigt werden und haben auch bei extremen Lastzuständen einem hohen Sicherheitsniveau zu genügen. Dies ist auch der Fall: Laut Bundesverband Windenergie ereignen sich unter den mehr als 27.000 Windenergieanlagen, die hierzulande installiert sind, pro Jahr durchschnittlich gerade einmal sechs bis sieben Zwischenfälle größerer Art. Damit sind etwa Brände nach einem Blitzeinschlag oder das Abbrechen eines Rotorblatts gemeint. Allerdings werden sich manche noch an die Havarien im Dezember 2016 und Januar 2017 erinnern: Innerhalb von nur 24 Tagen traf es vier Windenergieanlagen. Allesamt waren sie bereits zwischen 16 und 18 Jahre lang in Betrieb. Für gewöhnlich ist ein solches Alter jedoch kein Problem, denn Windkraftanlagen sind für mindestens 20 Jahre ausgelegt und können auch darüber hinaus weiterbetrieben werden. Was also bringt einen viele Hundert Tonnen schweren Koloss dazu, einfach wie ein Strohhalm umzuknicken? 

Bei den vier Havarien in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen lag die Ursache in einer technisch veralteten, hydraulischen und vor allem zu trägen Pitch-Regelung. Eine solche sorgt normalerweise dafür, dass der Rotor bei zu hohen Windgeschwindigkeiten aus dem Wind gedreht wird. Aus gutem Grund, wie es sich in diesen jüngsten Fällen herausgestellt hat. In der Mecklenburgischen Gemeinde Grischow sowie bei Neu Wulmstorf in Niedersachen reagierte die Pitch-Regelung laut Untersuchungen des Wartungsunternehmens Enertrag zu langsam. Dies führte dazu, dass der Rotor zu langsam aus dem Wind gedreht wurden und sich die Kräfte des zu starken Windes sich auf die Türme der Anlagen übertrugen. Die enorme Last brachte schließlich die Masten zum Umknicken. Die genaue Ursache der Havarien ist zwar noch nicht ganz abschließend geklärt, doch sicher ist, dass sie neben dem Totalschaden der Anlage auch einen wirtschaftlichen Schaden für die Betreiber zur Folge haben. Bei der sächsischen Anlage liegt dieser nach Angaben des Unternehmens Rasmus Windkraftservice etwa bei einer halben Million Euro, denn erst 2019 wäre die Anlage abgeschrieben gewesen.

Die Lösung: Betreiber sollten nicht nur allein auf die regelmäßige Wartung und gegebenenfalls Modernisierung ihrer Windräder vertrauen. Schließlich ist auch die Anlage im sächsischen Sitten erst ein halbes Jahr vor ihrem Umknicken gemäß der gesetzlichen Vorgaben überprüft und für Mängelfrei befunden worden. Um sich trotz aller Sicherheits- und Wartungsmaßnahmen vor den finanziellen Folgen einer Havarie Ihrer Windenergieanlage zu schützen, gehört ein umfassender Versicherungsschutz natürlich ebenso dazu.

Risiko 5: Vandalismus und Diebstahl

Nicht überall stößt das Thema Windenergie auf Gegenliebe. Dabei kann es vorkommen, dass Protest in einen Akt der Zerstörung umschlägt. Das zeigen viele Beispiele von dumpfem Vandalismus, sowohl während der Errichtungsphase als auch bei in Betrieb befindlichen Anlagen. Die Verursacher machen sich dabei die in der Regel abgelegene Lage der Windräder zunutze und können hier in aller Ruhe ihrer Zerstörungswut freien Lauf lassen. Die Bandbreite reicht von Farbschmierereien bis hin zum Einbruch und der Zerstörung von technischem Interieur oder gar der Betätigung des Notstopps. Auch die Hessenschau berichtete bereits über solche Anschläge. Es sind sogar Fälle bekannt, bei denen mit Schusswaffen auf Windenergieanlagen gefeuert wurde. Der Schaden summiert sich in häufig auf mehrere Tausend Euro, ganz zu schweigen von eventuellen Produktionsausfällen. Darüber hinaus vergehen meist erst viele Tage, bis ein solcher Zerstörungsakt überhaupt entdeckt wird und die Täter lassen sich im Nachhinein nur schwer ermitteln.

Kupfer – wertvoller Rohstoff und immer häufger auch Beute von Metalldieben
 

Doch nicht nur zerstörungswütige Windkraftgegner haben Windenergieanlagen im Visier, sie sind seit Jahren ebenso immer öfter ein Ziel von Dieben. Dort haben es mehr oder weniger organisierte Banden hauptsächlich auf eines abgesehen: Kupfer, genauer gesagt das Millberry-Kupfer aus den Kabeln. Je Windenergieanlage winken Tonnen an Ausbeute – bei einem Ankaufspreis von etwa 5.000 € pro Tonne auf dem Schrottmarkt ein für Kriminelle lukratives Geschäft. Nachdem sie die Anlage außer Betrieb gesetzt haben, um keinen tödlichen Stromschlag zu riskieren, durchtrennen sie die zum Teil armdicken Stränge und erbeuten so bis zu mehreren Hundert Metern Kabel. Kupferdiebstahl hat natürlich unangenehme Folgen für den Betreiber. Zwar lässt sich der entstandene Sachschaden wieder ersetzen, nicht jedoch die Zeit, in der die Windenergieanlage stillstand. Zehntausende Euro an Ertragsausfällen sind keine Seltenheit.

Die Lösung: Es ist schwierig, Diebe davon abzubringen, sich am Kupfer einer Windenergieanlage bereichern zu wollen. Allerdings kann man ihnen zumindest den Einbruch erschweren, zum Beispiel durch Maßnahmen wie mechanische Sicherheitstechnik, den Einbau von Türen höherer Widerstandsklassen, Gefahrenmeldeanlagen, Videoüberwachung oder auch die Anbindung mit einer Meldestelle. Schäden durch Vandalismus oder Diebstahl werden nicht im Rahmen der Vollwartungsverträge der Hersteller ersetzt, weshalb eine Diebstahlversicherung beziehungsweise ein Versicherungskonzept für Windenergieanlagen zu empfehlen ist, das derlei Risiken abdeckt. Versicherungen können bei Wiederholungsfällen jedoch verlangen, die Sicherheitsvorkehrungen entsprechend zu erhöhen oder aber den Vertrag kündigen.   

Risiko 5: Rechtsstreitigkeiten

Viele Parteien sind in ein Windenergieprojekt involviert. Im Idealfall geht es reibungslos über die Bühne und alle Beteiligten erledigen ihren Part ohne besondere Zwischenfälle. Im schlechtesten Fall haben Betreiber mit langwierigen rechtlichen Streitigkeiten zu kämpfen und dies ist keineswegs eine Seltenheit. Sicher ist, dass ein Streit mit Service-Dienstleistern, Herstellern, Netzbetreibern, Behörden oder Versicherern das Projekt verzögert und wertvolle Zeit und Geld kostet. Doch auch dann, wenn eine Windenergieanlage oder ein Windpark bereits in Betrieb ist, so heißt das nicht, dass kein Rechtsstreit drohen kann.

Der Gang vor Gericht ist lästig, zeitraubend und teuer 

Ein Beispiel: Bürger beschweren sich über die Geräuschentwicklung eines nahegelegenen Windparks bei der zuständige Behörde. In dessen Folge kann dem Betreiber die Abschaltung der Anlagen zu bestimmten Zeiten auferlegt werden. Mit einer Windenergieanlage, die still stehen muss, lassen sich weniger Erlöse erzielen als geplant und wenn Anlagenbetreiber gegen eine solche Auflage vor Gericht ziehen möchten, gehen sie ein zusätzliches finanzielles Risiko ein. Ein anderes Szenario, bei dem ein Rechtsstreit droht, ist ein vom Netzbetreiber verursachter, temporärer Netzausfall, welcher eine Einspeisung des Windstroms unmöglich macht. Auch hier kann der Rechtsweg zu einer hohen finanziellen Belastung werden.

Die Lösung: Nicht immer lassen sich Rechtsstreitigkeiten vermeiden oder im Vorfeld erahnen. Wer aber als Betreiber eine spezielle Rechtsschutzversicherung abschließt, die mit verschiedensten Szenarien steuer-, grundstücks-, vertrags oder verwaltungsrechtlicher Art sowie mit Gewährleistungsansprüchen Erfahrung hat, kann sich zumindest finanziell absichern.

Fazit

Ein Windenegieprojekt, ganz gleich, ob es sich um eine einzelne Anlage oder einen ganzen Windpark handelt, ist stets ein komplexes Unterfangen und eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Immer dann, wenn bei einem solchen Vorhaben etwas Unvorhergesehenes passiert, ist die Konsequenz in der Regel ein zeitlicher und finanzieller Schaden für den Betreiber. Ohne ein umfassendes Versicherungskonzept kann dies sogar den Ruin bedeuten. Richtig, Montageversicherung, Transportversicherung, Maschinenversicherung, Betreiberhaftpflicht, Rechtsschutz, Allgefahren-Deckung & Co kosten Geld – sie schaffen jedoch Sicherheit, wenn es für den Betreiber brenzlig wird oder ein Szenario nicht durch die Vollwartungsverträge der Hersteller abgedeckt ist. Kurzum: Einige Risiken lassen sich nicht gänzlich verhindern, doch man kann sich gut gegen sie versichern.

Quelle : wind-turbine.com