Neues Feature auf wind-turbine.com: Prognose-Funktion zeigt Erträge für Windkraftanlagen 15 Jahre im Voraus
21.09.2026
Während das erst kürzlich veröffentlichte Jahreserträge-Tool zeigt, was eine Windkraftanlage historisch eingespeist hat, rechnet die neue Prognose-Funktion auf wind-turbine.com nach vorn: Sie schätzt für jede Anlage den Jahresertrag der kommenden 15 Jahre unter verschiedenen Klimaszenarien und bewertet Belastungen durch Hagel, Blitz und Vereisung. Entwickelt haben wir sie gemeinsam mit unserem Partner Envirotrust.
Was Weinberge mit Windparks gemeinsam haben
Wer verstehen will, wie sich eine Windkraftanlage für die Zukunft bewerten lässt, fährt am besten Ende September nach Rheinhessen. Ein Weinberg funktioniert nämlich in einem ganz wesentlichen Punkt wie ein Windpark: Beide stehen jahrzehntelang am selben Ort, und beide leben vom Wetter, das dort herrscht.
An den Hängen läuft gerade die Weinlese, Traktoren ziehen Anhänger voller Trauben die Wirtschaftswege hinunter. Zwischen den Rebzeilen denkt mancher Winzer schon an das nächste Frühjahr. Dann setzt er junge Reben, und mit dieser Pflanzung legt er sich für eine ziemlich lange Zeit fest. Ein Rebstock braucht drei bis vier Jahre bis zur ersten vollen Ernte und bleibt danach oft 30 Jahre und länger im Boden. Wer im kommenden Jahr pflanzt, erntet also bis weit in die 2050er Jahre.
Bei der Wahl der Sorte schaut der Winzer deshalb über die Wetteraufzeichnungen seiner Großeltern hinaus. Er fragt sich, welche Traube mit den Sommern zurechtkommt, die in 20 Jahren und länger über seinem Weinberg stehen. Sorten wie Merlot oder Syrah, die eigentlich das Klima Südfrankreichs lieben, wachsen durch den Klimawandel inzwischen auch in deutschen Lagen.
Bei einer Windkraftanlage ist die Ausgangslage sehr ähnlich. Sie bleibt 20 bis 30 Jahre am Standort, und ihr Ertrag hängt am Wind, der dort in dieser Zeit weht. Gutachter und Käufer bewerten sie trotzdem meist mit dem Blick zurück. Das Ertragsgutachten korrigiert die Windmessung über eine historische Referenzperiode, die Jahreserträge-Funktion auf wind-turbine.com zeigt, was die Anlage bereits eingespeist hat. Ab sofort kommt auf wind-turbine.com ein zweiter Baustein hinzu: die Prognose-Funktion mit dem Blick auf die nächsten 15 Jahre.
Ein neuer Prognose-Button im WEA-Steckbrief
Im Steckbrief jeder Anlage finden Sie einen neuen Button: Prognose. Er steht in der Windkraftanlagen-Karte und im Betreiberverzeichnis. Ein Klick startet die Berechnung. Das System wertet Klimaszenarien für den Standort aus, rechnet daraus den künftigen Jahresertrag der Anlage und bewertet anschließend die klimabedingten Belastungen. Die Prognose-Funktion steht registrierten Nutzern kostenlos zur Verfügung.

Oben im Ergebnis steht der prognostizierte Jahresertrag der Anlage als Korridor in MWh. Darunter zeigt eine Skala, wo dieser Korridor innerhalb aller berechneten Annahmen liegt, vom ungünstigsten bis zum günstigsten Fall.
Eine Tabelle schlüsselt das Ergebnis nach drei Emissionsszenarien auf: RCP 2.6 für sehr niedrige, RCP 4.5 für mittlere und RCP 8.5 für hohe Emissionen. Für jedes Szenario weist sie einen pessimistischen, einen neutralen und einen optimistischen Wert aus. Die Spalten bilden die technische Unsicherheit der Leistungskurve ab, dazu Park- und Verfügbarkeitsverluste. Die Zeilen zeigen den Einfluss des Klimapfads.
Aus diesem Aufbau lesen Sie direkt ab, was am Standort den Ausschlag gibt. Liegen die Zeilen eng beieinander und die Spalten weit auseinander, verschiebt der Klimawandel den Ertrag kaum. Dann entscheiden Anlagentechnik und Betriebsführung über die Bandbreite, und dort setzt auch die Due Diligence an. Im umgekehrten Fall gewinnt die langfristige Entwicklung des Windregimes an Gewicht, und ein Käufer sollte sie in seine Kalkulation einbeziehen.
Hagel, Blitz, Eis und mehr – was am Standort auf die Anlage einwirkt
Der zweite Teil der Prognose betrifft die Substanz der Anlage. Für fünf Belastungsarten gibt das Tool eine Eintrittswahrscheinlichkeit an: Hagelschaden, Blitzschaden, Rotorblattvereisung, Fundamentbelastung und thermische Materialermüdung.
Aus dem Risikoprofil leitet die Prognose konkrete Maßnahmen ab. Das reicht von der Nachrüstung des Blitzschutzes bis zu zusätzlicher Sensorik für die Zustandsüberwachung am Triebstrang. In einer Bewertung tauchen solche Punkte als Posten mit Preisschild auf: Nachrüstungen gehen in die Investitionsplanung ein, ein hohes Blitzrisiko in das Gespräch mit dem Versicherer.

Klimamodell trifft Leistungskurve: So rechnet Envirotrust
Die Daten stellen wir gemeinsam mit unserem Partner Envirotrust bereit. Das Frankfurter Unternehmen hat sich auf satelliten- und KI-gestützte Klimarisikoanalysen spezialisiert und bewertet physische Klimarisiken für einzelne Standorte.
Grundlage der Prognose sind langfristige Klimaprojektionen aus dem europäischen Copernicus Climate Data Store (CMIP6) und ERA5-Wetterdaten der vergangenen Jahrzehnte, jeweils für die Koordinaten der Anlage. Envirotrust verknüpft diese Klimadaten mit der realen Leistungskurve, der Nabenhöhe und dem Rotordurchmesser des jeweiligen Turbinenmodells. So bekommt jede Anlage ihre eigene Rechnung, abgestimmt auf Modell und Standort. Sobald neue Klimamodell- und Betriebsdaten vorliegen, aktualisiert Envirotrust die Datengrundlage.

„Jedes Ertragsgutachten bezieht sich auf eine historische Referenzperiode, nur läuft die Anlage danach 20 bis 30 Jahre in ein Windregime hinein, das sich verändert. Wir rechnen das nicht mit Ländermittelwerten, sondern am konkreten Standort: 20 Jahre stündlich aufgelöste, satellitengestützte Winddaten an den Koordinaten der Anlage, Digitaler Zwilling, skaliert mit den regionalen Klimaprojektionen. Das ersetzt kein Gutachten, aber es zeigt mit ausgewiesener Unsicherheit, in welche Richtung sich der Ertrag einer Anlage bewegt. Auf wind-turbine.com steht das Ergebnis jetzt an der Anlage selbst, neben den abgerechneten Jahreserträgen", sagt Boris Idesman, Gründer und Geschäftsführer von Envirotrust.
Die Ertrags- und Risikowerte sind modellbasierte Projektionen. Sie zeigen, welche Entwicklung unter den jeweiligen Szenarien für den Standort plausibel ist. Wetter, lokale Einflüsse und der Anlagenbetrieb können die tatsächlichen Erträge verschieben.
Nach zehn oder 15 Betriebsjahren steht die Grundsatzfrage an
Die Prognose richtet sich an Betreiber, die eine Weichenstellung vor sich haben, und an Investoren, die einen Bestandspark prüfen.
„Gerade bei Windparks, die erst zehn oder fünfzehn Jahre in Betrieb sind, stellt sich für Betreiber zunehmend die Frage: Verkaufen wir heute oder betreiben wir die Anlagen langfristig weiter? Neben den historischen Ertragsdaten wird deshalb auch der Blick nach vorne immer wichtiger. Wir geben Betreibern und Investoren eine erste Orientierung, wie sich klimatische Einflüsse und Wetterrisiken am jeweiligen Standort in den kommenden 15 Jahren entwickeln könnten und welchen Einfluss das auf die zukünftigen Erträge haben kann. Damit schaffen wir eine zusätzliche Entscheidungsgrundlage für die Bewertung, Vermarktung und den langfristigen Weiterbetrieb von Windparks", sagt Bernd Weidmann, CEO von wind-turbine.com.
Im Steckbrief liefert die Prognose damit den Gegenpart zur bisherigen Ertragshistorie: Wo die Abrechnungen zeigen, was eine Anlage bereits eingespeist hat, schätzt die Prognose, womit Sie in den kommenden 15 Jahren rechnen können. Wenn Sie zusätzlich wissen wollen, ob der Standort Potenzial für leistungsstärkere Anlagen bietet, nutzen Sie den Repowering-QuickCheck.
Öffnen Sie jetzt die Windkraftanlagen-Karte oder das Betreiberverzeichnis, wählen Sie eine Anlage und sehen Sie mit einem Klick auf „Prognose", welchen Jahresertrag der Standort für die nächsten 15 Jahre erwarten lässt.