Die Anforderungen an die Cybersicherheit für Windparkbetreiber wachsen rasant. Mit der europäischen NIS2-Richtlinie und dem nationalen ...
Fast 9.700 deutsche Windkraftanlagen sind älter als 20 Jahre. In den kommenden Jahren entscheiden ihre Betreiber, ob die Anlagen weiterlaufen, im Repowering durch leistungsstärkere Modelle ersetzt werden oder ganz verschwinden. Eine Auswertung von über 1.000 Wertermittlungen auf wind-turbine.com zeigt, welche Anlagentypen die Branche derzeit auf den Prüfstand stellt.
In einem Sitzungsraum irgendwo in Ostfriesland liegt seit Monaten dieselbe Tagesordnung auf dem Tisch. Vier Windkraftanlagen, Baujahr 2004, eine Bürgerenergiegenossenschaft mit knapp achtzig Mitgliedern. Die EEG-Vergütung ist Ende 2024 ausgelaufen, der Strom geht seither über einen Direktvermarkter, der Wartungsvertrag läuft im kommenden Jahr aus. Vier Möglichkeiten stehen zur Debatte: Weiterbetrieb, Verkauf, Rückbau oder Repowering am gleichen Standort. Vier unterschiedliche Wege, die der Vorstand in der Mitgliederversammlung empfehlen kann.
Was dem Vorstand für eine fundierte Entscheidung fehlt, ist eine Zahl. Eine belastbare Indikation dessen, was diese vier Anlagen heute am Markt überhaupt noch wert sind – darauf basiert alles Weitere. Diese Frage nach der Zahl ist in den vergangenen Wochen auf wind-turbine.com mehr als 1.070 Mal (Stand 26.05.2026) gestellt worden.
Knapp die Hälfte aller in Deutschland installierten Onshore-Windkraftanlagen ist seit mindestens fünfzehn Jahren in Betrieb. Rund 9.700 Anlagen haben die 20-Jahres-Marke bereits überschritten. Insgesamt haben in Deutschland mittlerweile Anlagen mit 11,3 Gigawatt installierter Leistung ihren ursprünglichen Vergütungsanspruch nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz verloren. Das ist der Stoff, aus dem die strategischen Entscheidungen der kommenden Jahre gemacht sind. Allerdings in einer Größenordnung, die weit über einzelne Vorstandssitzungen in Ostfriesland hinausreicht.
In dieser Lage hat wind-turbine.com erst Mitte März 2026 ein digitales Wertermittlungs-Tool freigeschaltet. Wer seine MaStR-Nummer eingibt, bekommt per Knopfdruck eine Indikation des Marktwerts seiner Anlage oder seines kompletten Windparks. Das Werkzeug ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Was wie ein Service-Angebot aussieht, ist gleichzeitig ein Beobachtungsposten geworden: Innerhalb von zwei Monaten haben Betreiber, Käufer und Berater mehr als 1.070 Auswertungen erstellt. Jede einzelne ist eine Anfrage an den Markt, und in der Summe ergeben sie eine Bestandsaufnahme, wie es sie in dieser Detailtiefe bisher nicht öffentlich gab.
Bernd Weidmann, CEO wind-turbine.com:

Als wir das Wertermittlungs-Tool im März gestartet haben, waren unsere Erwartungen deutlich zurückhaltender. Dass inzwischen täglich weit über zehn Windparks und Anlagen bewertet werden, hat uns ehrlich gesagt überrascht.
Die Resonanz zeigt aber sehr klar, wie relevant das Thema Verkauf, Weiterbetrieb und Repowering von Windpark-Assets aktuell geworden ist. Viele Betreiber möchten zunächst verstehen: Gibt es überhaupt einen Markt für meinen Windpark und welchen Wert könnte er heute haben?
Diese hohe Nachfrage spiegelt aus meiner Sicht auch die aktuelle wirtschaftliche und energiepolitische Situation wider. Die Branche erlebt aktuell viel Unsicherheit und gleichzeitig wenig langfristige Planungssicherheit. Genau deshalb wächst der Bedarf an belastbaren Marktindikationen und datenbasierten Entscheidungen.
Die Resonanz zeigt, dass ein hoher Bedarf an einer marktnahen Wertorientierung quer durch die Branche existiert. „Die Anfragen kommen aber nicht nur von Bürgerenergiegenossenschaften. Sie kommen auch von institutionellen Investoren, die für Infrastrukturfonds Akquisitionsziele prüfen, von Beratern, die im Auftrag eines Verkaufsmandats den Marktwert eines Portfolios einschätzen müssen, und von Banken, die für eine Refinanzierung eine belastbare Größe brauchen.
Wie genau das Tool zu seinen Werten kommt, ist methodisch durchaus anspruchsvoll. Die Wertermittlung erfolgt über ein DCF-Modell (Discounted Cash Flow) in Kombination mit dem FCFF-Ansatz (Free Cash Flow to Firm). In der Idee ist diese Vorgehensweise aber einfach: Das Wertermittlungs-Tool rechnet aus, wie viel Geld eine Anlage über ihre verbleibende Lebenszeit voraussichtlich noch erwirtschaftet. Stromerlöse, Betriebskosten, Pachten, steuerliche Effekte fließen Jahr für Jahr in die Rechnung ein. Am Lebensende der Anlage werden Restwert und Rückbaukosten gegengerechnet.
Weil niemand zwanzig Jahre Strompreise oder Zinsen sicher vorhersagen kann, simuliert das System mehrere tausend mögliche Marktentwicklungen und liefert daraus eine Wertbandbreite. Die Datengrundlage basiert auf 15 Jahren Plattformhistorie auf wind-turbine.com — oder in Zahlen gesprochen: auf einem dokumentierten Transaktionsvolumen von mehr als elf Milliarden Euro.
Wer die 1.070 Auswertungen nach Inbetriebnahmejahren sortiert, sieht ein klares Bild. Gut ein Drittel entfallen auf Anlagen, die zwischen 2000 und 2007 ans Netz gegangen sind. Der stärkste einzelne Jahrgang ist 2001 mit 62 Anfragen, gefolgt von 2002 und 2003 mit 60 und 58 Anfragen.
Diese Anlagengeneration hat eine besondere Geschichte. Sie ist mit dem ersten EEG groß geworden, das im Jahr 2000 in Kraft trat. Sie hat die Energiewende eingeleitet, lange bevor das Wort im politischen Sprachgebrauch ankam. Und sie hat ihre vergütungsgesicherten zwanzig Jahre jetzt entweder bereits hinter sich oder verlässt sie in den nächsten Monaten.
Über das Tool gehen aber nicht nur Anfragen für Altanlagen. 40 Auswertungen entfallen auf Anlagen aus dem Jahr 2017, weitere 39 auf 2025 und 19 auf 2026. Die jüngsten Maschinen stehen zum Bewertungszeitpunkt teilweise noch nicht einmal vollständig, wie etwa Vestas- und Enercon-Anlagen mit dem Inbetriebnahmejahr 2028.
Das sind Anfragen, die typischerweise von Käufern und Projektentwicklern kommen, die für institutionelle Investoren Akquisitionen prüfen. Diese Käufergruppe wächst seit Jahren. Großvolumige Infrastrukturfonds, Spezialfonds für erneuerbare Energien, Versicherungen und Pensionskassen investieren systematisch in Onshore-Windkraft als langfristige Anlageklasse. Bestandswindparks mit dokumentierter Ertragshistorie zählen in diesem Marktsegment zu den begehrtesten Assets, weil ihre Erträge planbar sind und ihre Infrastruktur — Netzanschluss, Pachtverträge, Genehmigungen — bereits steht.
Die regionale Verteilung der Auswertungen folgt im Wesentlichen der Verteilung der Windenergie in Deutschland. An der Spitze liegt Niedersachsen mit 168 Auswertungen, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 146 und Schleswig-Holstein mit 140. Allein auf diese drei Bundesländer entfallen 43 Prozent aller Anfragen. Dann folgt Mecklenburg-Vorpommern mit 74 Anfragen.
Die Überraschung steht weiter unten in der Liste. Bayern und Brandenburg liegen mit jeweils 63 bzw. 64 Auswertungen nahezu exakt gleichauf — ein bemerkenswerter Befund für ein Bundesland, dessen Windkraftausbau über Jahre an der 10H-Abstandsregelung scheiterte. Seit der Lockerung der Regelung und der Ausweisung neuer Vorranggebiete bewegt sich der bayerische Markt wieder. Die Auswertungen zeigen, dass sich diese Bewegung auch im Bewertungsinteresse niederschlägt.
Bei den Durchschnittswerten gehen die Zahlen auseinander: In Schleswig-Holstein liegt der Mittelwert bei rund 2,3 Millionen Euro je Anlage, in Niedersachsen bei 806.000 Euro, in Mecklenburg-Vorpommern bei 391.000 Euro. Hinter diesen Differenzen stehen weniger die Standortqualitäten als die jeweils bewerteten Anlagengenerationen: Wo überwiegend Großanlagen jüngerer Baujahre auf den Prüfstand kommen, fällt der Mittelwert höher aus. Dort, wo der Altbestand dominiert, ist er niedriger.
Auf den ersten Blick wirkt die Verteilung nach Herstellern wie eine geordnete Hierarchie. Enercon-Anlagen führen mit 346 Auswertungen — knapp ein Drittel der gesamten Datenbasis. Vestas folgt mit 165, Nordex mit 76, GE Energy mit 45, Senvion mit 41, REpower mit 32, Bonus mit 32 und Gamesa mit 27. Dahinter tut sich die lange Riege der deutschen Windkraftgeschichte auf.
Da sind NEG Micon mit 38 Auswertungen, DeWind mit 30. Tacke mit 13. Südwind mit 10. Lagerwey, Fuhrländer. Mit dabei sind auch Einzelfälle wie Nordtank, Enron Wind, Wind World. Dies sind die Namen, die in den späten neunziger und frühen zweitausender Jahren in der Windbranche noch Gewicht hatten — bevor sie durch Übernahmen, Insolvenzen oder Marktrückzüge verschwanden. Die ursprünglichen Unternehmen existieren längst nicht mehr, doch ihre Anlagen drehen sich weiter.
Für jeden, der eine solche Anlage bewertet, kaufen oder weiterbetreiben will, hat das handfeste Folgen. Ersatzteilverfügbarkeit, Servicekompetenz und Dokumentationsqualität hängen unmittelbar daran, wer ein Anlagenmodell ursprünglich gebaut hat und wer heute noch über die technischen Unterlagen und die Lieferketten dafür verfügt. Bei manchen Altanlagen entscheidet die Ersatzteilfrage darüber, ob sich der Weiterbetrieb überhaupt darstellen lässt.
Den Spitzenplatz unter den einzelnen Anlagenmodellen belegt die Enercon E-40 in der 500-Kilowatt-Variante. 48 Bewertungen entfallen auf dieses eine Modell. Die Maschine mit etwa 40 Metern Rotordurchmesser wurde von Ende der neunziger bis Mitte der Zweitausender Jahre in großer Stückzahl errichtet. Sie steht damit prototypisch für jene Anlagengeneration, die heute vielfach im Zentrum der Repowering-Debatte steht. Das Tool zeigt für diesen Klassiker, liebevoll bezeichnet als „Eisenschwein“, aber auch eine unbarmherzige Realität: Über alle 48 Auswertungen hinweg liegt der ermittelte Marktwert der E-40 im Durchschnitt bei minus 24.895 Euro – sie ist damit auf dem Papier ein reines Rückbau-Minusgeschäft.
Beim Blick auf die nach Leistungsklassen sortierten Daten, zeigt sich die deutlichste Beobachtung der gesamten Auswertung: Der deutsche Windkraftmarkt hat sich in drei Welten aufgeteilt, zumindest was die Spreizung der Leistungsklassen betrifft.
Im Untersegment finden sich 51 Auswertungen für Anlagen unter einem halben Megawatt, 194 für die Klasse 0,5 bis 1 MW, 58 für 1 bis 1,5 MW. Die ermittelten Durchschnittswerte bewegen sich zwischen wenigen tausend und knapp 30.000 Euro je Anlage. Bei den ältesten Maschinen kann der rechnerische Wert sogar negativ ausfallen — dann nämlich, wenn die zu erwartenden Rückbaukosten am Lebensende die verbleibenden Erträge der Restlaufzeit übersteigen. Für die Eigentümer solcher Anlagen geht es bei der Bewertung um die Frage, ob sich ein Rückbau rechnet oder ein Repowering am gleichen Standort einen neuen Wert erschließt.
Im oberen Marktsegment finden sich Käufer mit anderen Finanzierungsstrukturen — institutionelle Investoren, die ganze Portfolios aufbauen. 128 Auswertungen entfallen auf die Klasse 3 bis 3,5 MW, 45 auf 4 bis 5 MW, 41 auf 5 bis 6 MW, 24 auf 6 bis 7 MW, fünf auf 7 bis 8 MW. Die Durchschnittswerte reichen von 1,6 Millionen Euro in der 3-MW-Klasse bis 7,7 Millionen Euro für Anlagen über sieben Megawatt.
Das mittlere Segment zwischen zwei und drei Megawatt bildet das Rückgrat des aktuellen Bestands. Allein die Klasse 2 bis 2,5 MW kommt auf 218 Auswertungen mit einem durchschnittlichen Marktwert von rund 508.000 Euro. Diese Anlagen prägen den Bestand der späten Zweitausender und frühen zehner Jahre. Sie sind heute mehrheitlich in einer Phase, in der die EEG-Vergütung weiterläuft, der Markt aber schon beginnt, sich Gedanken über das Danach zu machen.
Die offiziellen Zahlen der Fachagentur Wind und Solar entsprechen dem, was sich auch im Bewertungstool spiegelt: ein Strukturwandel, der von einer ungeordneten Stilllegungswelle weit entfernt ist.
Im ersten Halbjahr 2025 gingen bundesweit 138 Anlagen mit 777 Megawatt im Rahmen eines Repowerings neu in Betrieb – ein satter Anteil von 35 Prozent am gesamten Brutto-Leistungszubau. Demgegenüber wurden im selben Zeitraum lediglich 210 Anlagen endgültig stillgelegt. Der Großteil der Altanlagen verschwindet also nicht sang- und klanglos vom Markt, sondern macht Platz für leistungsstärkere Nachfolger am selben Standort.
Dieser Umbau verlangt Betreibern strategische Entscheidungen ab, die ohne belastbare Bewertungsbasis kaum sauber zu treffen sind. Er verlangt Käufern eine Marktsicht, die mit pauschalen Renditeerwartungen nicht mehr auskommt. Er verlangt Beratern, Banken und Anwälten eine Bewertungsdisziplin, die sich an realen Transaktionsdaten orientiert.
Die ersten 1.070 Auswertungen sind ein erster strukturierter Blick auf einen Bestand, den die Branche bisher überwiegend nach Bauchgefühl bewertet hat. Mit jeder weiteren Anfrage wird das Bild dichter und die Vergleichswerte belastbarer.
Was die Branche derzeit erlebt, ist die Übergabe einer Generation von Windkraftanlagen an die nächste, und sie vollzieht sich Standort für Standort, über Jahre hinweg. Die nächsten 1.000 Auswertungen werden zeigen, wie weit dieser Prozess in den kommenden Wochen und Monate fortschreitet.
Bernd Weidmann, CEO wind-turbine.com:

Dadurch, dass wir bereits in einer sehr frühen Phase sehen, welche Windparks und Assets bewertet werden, können wir Verkäufer und Käufer deutlich früher im Prozess begleiten und nicht nur bei der Wertermittlung, sondern auch bei der Orientierung im Markt und später in der Transaktion selbst.
Besonders spannend ist für mich zu sehen, wie stark der Bedarf an belastbaren Vergleichswerten und Erfahrungswerten aus realen Transaktionen inzwischen geworden ist. Verlässliche und verifizierte Daten entwickeln sich zunehmend zum eigentlichen Werttreiber im Markt.
Genau darin sehen wir auch die nächsten Entwicklungsschritte für wind-turbine.com: digitale Services aufzubauen auf der Basis belastbarer Daten, die der Branche mehr Transparenz, Vergleichbarkeit und Geschwindigkeit ermöglichen und das perspektivisch nicht nur in Deutschland, sondern global.
MaStR-Nummer eingeben und in wenigen Minuten die Wertbandbreite für Windenergieanlagen oder Windparks erhalten.
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