Wie viel Strom hat diese eine Anlage in 2019, 2022 oder 2024 eingespeist? Die Antwort steckt in etlichen Zeilen EEG-Abrechnungsdaten, von denen ...
Bei der Entwicklung eines Windenergieprojekts entscheidet sich vieles lange vor dem eigentlichen Baubeginn. Kampfmittelverdachtsflächen, archäologische Strukturen, unbekannte Geländeverhältnisse oder fehlende Vermessungsdaten können im späteren Projektverlauf erhebliche Verzögerungen verursachen. Genau hier setzt die ASDRO GmbH an: Das 2019 gegründete Unternehmen beschäftigt sich mit drohnengestützter Datenerfassung und insbesondere mit UAV-Geomagnetik und UAV-Photogrammetrie für Infrastruktur- und Energieprojekte. Im Fachinterview erklärt Benedikt Krause, Head of Sales & Marketing bei ASDRO, wo die Technologie bei Windenergieprojekten konkret eingesetzt werden kann, welche Vorteile die Untersuchung aus der Luft bietet - und wo auch ihre Grenzen liegen.
Benedikt Krause: Die
Anlässe sind ziemlich unterschiedlich. Häufig geht es um Kampfmittelverdacht
auf geplanten WEA-Standorten, Kranstellflächen, Zuwegungen oder Kabeltrassen.
Ein zweiter großer Bereich sind archäologische Fragestellungen, die vor dem
eigentlichen Baubeginn geklärt werden müssen. Dazu kommen Vermessungsaufgaben, zum
Beispiel wenn aktuelle Orthofotos, Geländemodelle oder Bestandsdaten für die
weitere Planung fehlen. Besonders sinnvoll wird unser Einsatz immer dann, wenn
größere Flächen untersucht werden müssen und frühzeitig eine belastbare
Datengrundlage gebraucht wird.
Benedikt Krause: Am
meisten bringt unsere Unterstützung in einer frühen Planungs- oder
Genehmigungsphase. Wenn mögliche Kampfmittelbelastungen, archäologische
Verdachtsbereiche oder Besonderheiten im Gelände früh bekannt sind, kann die
Planung darauf reagieren. Das ist in der Regel deutlich
einfacher und günstiger, als wenn solche Themen erst während der Bauausführung
auftauchen. Gerade bei Windprojekten können ungeklärte Flächen sonst schnell zu
Verzögerungen bei Zuwegungen, Kranstellflächen oder Fundamentarbeiten führen.
wind-turbine.com: Was genau leistet UAV-Geomagnetik bei
einem Windenergieprojekt?
Benedikt Krause: Bei
der UAV-Geomagnetik messen wir mit sehr empfindlichen Magnetometern kleinste
Veränderungen des Erdmagnetfeldes. Bei der Kampfmittelsondierung suchen
wir nach magnetischen Anomalien, die auf ferromagnetische Objekte im Untergrund
hinweisen können. Die Messdaten werden georeferenziert aufgenommen,
anschließend ausgewertet und auffällige Bereiche dokumentiert. In der archäologischen Prospektion
können magnetische Unterschiede zum Beispiel Hinweise auf verfüllte Gräben,
ehemalige Siedlungsstrukturen oder andere Bodenveränderungen liefern. Wichtig ist uns dabei die Einordnung:
Wir erzeugen kein Foto des Untergrunds, sondern Messdaten, die fachlich
interpretiert werden müssen.
wind-turbine.com: Neben der Geomagnetik spielt auch
Photogrammetrie eine wichtige Rolle. Wofür werden diese Daten bei
Windenergieprojekten genutzt?
Benedikt Krause: Die
Photogrammetrie ist für viele Windenergieprojekte eine sehr praktische
Grundlage, weil man damit den aktuellen Zustand einer Fläche sehr detailliert
erfassen kann. Aus den Drohnenbildern erstellen wir
je nach Aufgabenstellung beispielsweise hochauflösende Orthofotos, Punktwolken
sowie Gelände- und Oberflächenmodelle. Kunden nutzen diese Daten unter
anderem für die Planung von Zuwegungen und Kranstellflächen, für Geländeprofile
und Höheninformationen, für Flächen- und Massenermittlungen oder einfach als
belastbare Dokumentation des Ausgangszustands. Gerade wenn mehrere Planer,
Bauunternehmen und Behörden beteiligt sind, ist eine gemeinsame aktuelle
Datengrundlage sehr hilfreich.
wind-turbine.com: Wo liegen die praktischen Vorteile einer
drohnengestützten Untersuchung gegenüber klassischen bodengebundenen Verfahren?
Benedikt Krause: Der
größte praktische Vorteil ist für uns die Kombination aus hoher
Flächenleistung, hoher Datendichte und einem sehr geringen Eingriff in die
Fläche.
Große Bereiche können vergleichsweise
schnell untersucht werden, ohne dass die Fläche flächendeckend betreten oder
mit Fahrzeugen befahren werden muss. Dadurch werden Böden, Vegetation und
bestehende Strukturen nicht beeinträchtigt. Auch Flächen mit Bewuchs bis etwa
Hüfthöhe können in vielen Fällen weiterhin beflogen und untersucht werden.
Gleichzeitig entstehen
georeferenzierte Daten, die sich direkt in weitere GIS-, Planungs- und
Auswertungsprozesse übernehmen lassen. Gerade bei schwer zugänglichen,
sensiblen oder weitläufigen Flächen ist das ein wesentlicher Vorteil gegenüber
klassischen bodengebundenen Verfahren. Die Drohne ersetzt dabei nicht
pauschal jedes klassische Verfahren. Ihre Stärke liegt insbesondere darin,
große Flächen effizient und berührungslos zu untersuchen und auf dieser
Grundlage mögliche nachfolgende Maßnahmen gezielter zu planen.
Benedikt Krause: Besonders
interessant ist die drohnengestützte Untersuchung bei größeren Projektflächen,
mehreren WEA-Standorten, längeren Zuwegungen oder Kabeltrassen und überall
dort, wo eine klassische flächendeckende Untersuchung sehr zeit- oder
personalintensiv wäre. Ein zusätzlicher Vorteil besteht bei
Flächen, die nur schwer betreten oder befahren werden können oder sollen. Da
für die Messung keine flächendeckende Begehung erforderlich ist, können
beispielsweise sensible Flächen, landwirtschaftlich genutzte Bereiche oder
Gelände mit höherem Bewuchs untersucht werden, ohne unnötige Schäden zu
verursachen. Auch Bewuchs bis etwa Hüfthöhe stellt
für die Befliegung grundsätzlich kein Ausschlusskriterium dar. Bei engen Bauzeitfenstern,
Repowering-Projekten oder komplexen Flächen kann das Verfahren deshalb
besonders interessant sein. Grundsätzlich gilt: Je größer, schwerer zugänglich
oder sensibler eine Fläche ist und je wichtiger eine frühzeitige Datengrundlage
für die weitere Planung ist, desto stärker kommen die Vorteile des
Drohneneinsatzes zum Tragen.
wind-turbine.com: Gibt es umgekehrt Situationen, in denen
eine drohnengestützte Untersuchung nicht der erste sinnvolle Schritt ist?
Benedikt Krause: Nicht
jede Fläche ist automatisch ein sinnvoller Drohneneinsatz. Wenn eine Fläche
sehr klein ist, bereits belastbare und aktuelle Gutachten vorliegen oder
behördlich ein anderes Verfahren vorgesehen beziehungsweise bevorzugt wird,
kann ein anderer Weg sinnvoller sein. Gerade im Bereich der archäologischen
Prospektion wird der Einsatz geomagnetischer Verfahren regional und von den
zuständigen Fachbehörden unterschiedlich gehandhabt. Das gilt teilweise auch
für die drohnengestützte Durchführung der Geomagnetik. Obwohl wir mit der Methodik in vielen
Projekten sehr gute Ergebnisse erzielen, ist sie nicht in jedem
Zuständigkeitsbereich gleichermaßen etabliert oder als Untersuchungsmethode
vorgesehen. Deshalb stimmen wir frühzeitig ab, welche Methodik für das jeweilige
Projekt fachlich und behördlich sinnvoll ist. Darüber hinaus spielen die konkreten
Bedingungen vor Ort eine wichtige Rolle. Größere Mengen Schrott, metallische
Auffüllungen, Zäune oder andere starke Störquellen können geomagnetische
Messungen erheblich beeinflussen. Auch sehr dichte oder hohe Vegetation kann je
nach Aufgabenstellung problematisch sein. Deshalb prüfen wir vorab immer, ob
das Verfahren für die konkrete Fläche geeignet ist und den gewünschten
Erkenntnisgewinn liefern kann.
Benedikt Krause: Im
ersten Schritt brauchen wir die Projektfläche, idealerweise als SHP-, KML-,
DXF- oder vergleichbare Geodaten, sowie die Aufgabenstellung und vorhandene
Unterlagen. Danach prüfen wir die Fläche, die
Rahmenbedingungen und mögliche Störfaktoren und planen den Einsatz. Vor Ort
erfolgt die systematische Befliegung und anschließend die Prozessierung und
fachliche Auswertung der Daten. Welche Unterlagen der Kunde am Ende
erhält, hängt von der Leistung ab. Das können zum Beispiel Orthofotos,
Punktwolken, Gelände- oder Oberflächenmodelle, Karten, Messdaten und
Ergebnisberichte sein. Bei geomagnetischen Untersuchungen werden die relevanten
Anomalien entsprechend dokumentiert. Die Bearbeitungszeit hängt stark von
Flächengröße und Auswertungstiefe ab. Bei normalen Projektgrößen sprechen wir
nach der Befliegung häufig von wenigen Tagen bis etwa zwei Wochen; bei sehr
großen oder komplexen Projekten entsprechend länger.
Benedikt Krause: Sehr
häufig kommen Fragen zur möglichen Flächenleistung, zur Genauigkeit und zur
Detektionstiefe. Kunden möchten außerdem wissen,
welche Voraussetzungen die Fläche erfüllen muss, ob vorher gemäht werden muss,
wie stark Vegetation oder vorhandene Infrastruktur die Messung beeinflussen und
welche Datenformate sie am Ende bekommen. Bei der Kampfmittelsondierung ist
außerdem wichtig zu erklären, dass die tatsächliche Detektierbarkeit von vielen
Faktoren abhängt und wir eine Freigabe nur bis zu einer Tiefe von maximal fünf
Metern aussprechen. Ebenfalls häufig gefragt wird, ob die
Drohne klassische Verfahren vollständig ersetzt. Wir setzen sie dort ein, wo
sie technisch sinnvoll ist und einen echten Vorteil bringt.
wind-turbine.com: Zum Abschluss etwas persönlicher: Was
macht für Sie den Reiz an dieser Arbeit aus?
Benedikt Krause: Für
mich ist vor allem spannend, dass wir moderne Drohnentechnologie mit sehr
konkreten Problemen in großen Infrastrukturprojekten verbinden. Am Ende geht es nicht darum, eine
Drohne fliegen zu lassen, sondern dem Kunden frühzeitig Informationen zu geben,
mit denen er besser planen kann. Wenn wir Risiken sichtbar machen,
bevor sie auf der Baustelle zum Problem werden, und dadurch Zeit oder unnötigen
Aufwand sparen, ist der Nutzen unserer Arbeit sehr direkt zu sehen. Genau das
macht das Thema für mich interessant.

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