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Technische Betriebsführung von Windparks in Polen: Erfahrungen, Herausforderungen und Unterschiede zu Deutschland

04.07.2026

Im Interview erzählen Martin Dudkiewicz-Grassmann und Grzegorz Sobczuk aus dem Alltag der technischen Betriebsführung in Polen. Was läuft dort anders als in Deutschland und welche Herausforderungen sind zu bewältigen?

Frage: Ihr betreut seit mehreren Jahren polnische Windenergieprojekte in der technischen Betriebsführung. Was habt ihr in dieser Zeit über den polnischen Markt gelernt, und welche Erkenntnisse waren für euch überraschend?

Antwort: Wir haben vor allem gelernt, wie dynamisch sich der polnische Markt für Erneuerbare Energien entwickelt. Als wir vor sechs Jahren die ersten Windfelder in Dunowo übernommen haben, gab es noch viele Unsicherheiten. Einige Marktprozesse wirkten damals unklar. Auch die regulatorischen Rahmenbedingungen ließen sich nicht immer sofort eindeutig einordnen.

Überrascht hat uns vor allem das Tempo, mit dem sich der Markt verändert hat. Viele Themen kamen gleichzeitig auf uns zu. Neue Anforderungen, angepasste Prozesse, und veränderte Erwartungen von Behörden oder Marktpartnern gehörten schnell zum Alltag. Das hat uns gezeigt, wie wichtig eine enge Abstimmung im Team ist. Wir müssen Entwicklungen früh erkennen, sauber einordnen, und daraus konkrete Schritte für den Betrieb ableiten.

Gleichzeitig haben wir gelernt, dass Flexibilität in Polen eine zentrale Rolle spielt. Wer Projekte dort technisch betreut, muss Abläufe regelmäßig hinterfragen. Erfahrung hilft dabei sehr. Sie ersetzt aber nicht die tägliche Aufmerksamkeit für aktuelle Entwicklungen im Markt.

Frage: Was ist in Polen anders als in Deutschland oder anderen Märkten, in denen ENERTRAG Betrieb aktiv ist? Gibt es kulturelle, technische oder regulatorische Unterschiede, die ihr bei eurer Arbeit berücksichtigen müsst?

Antwort: Die kulturellen Unterschiede erleben wir im Arbeitsalltag nicht als besonders groß. Die Zusammenarbeit funktioniert offen, direkt, und lösungsorientiert. Viele Themen lassen sich in Polen etwas schneller und informeller klären als in anderen Märkten. Das merken wir zum Beispiel in der Abstimmung mit Dienstleistern, Serviceunternehmen, und teilweise auch mit Behörden.

Daraus entsteht ein besonderer Arbeitsrhythmus. Viele Beteiligte möchten Themen früh abschließen und Entscheidungen zügig treffen. Das hilft, weil Prozesse dadurch Tempo aufnehmen. Gleichzeitig entsteht auch Zeitdruck, besonders wenn technische, regulatorische, und organisatorische Fragen parallel laufen.

Für uns bedeutet das: Wir brauchen klare Zuständigkeiten, kurze Kommunikationswege, und eine gute Vorbereitung. Wer in Polen erfolgreich arbeiten möchte, sollte schnell reagieren und trotzdem sorgfältig bleiben. Gerade in der technischen Betriebsführung kommt es auf diese Balance an. Entscheidungen müssen praktikabel sein. Sie müssen aber auch langfristig zum sicheren und verlässlichen Betrieb der Windenergieanlagen passen.

Frage: Welche besonderen Stolpersteine oder Herausforderungen sind euch in Polen begegnet, und wie geht ihr damit um? Was würdet ihr anderen Kolleginnen und Kollegen raten, die in Polen Projekte betreuen?

Antwort: Die größte Herausforderung sehen wir darin, mit den schnellen Veränderungen im polnischen Markt für Erneuerbare Energien Schritt zu halten. Regeln, Prozesse, und Anforderungen verändern sich häufig. Manchmal hat man ein Thema gerade verstanden und in die tägliche Arbeit integriert. Kurz darauf folgt schon die nächste Anpassung.

Das verlangt viel Aufmerksamkeit und echte Lernbereitschaft. Wir prüfen deshalb regelmäßig, ob unsere bisherigen Annahmen noch stimmen. Außerdem halten wir den Austausch mit lokalen Partnern, Dienstleistern, und internen Fachbereichen bewusst eng. So erkennen wir Veränderungen früher und können schneller reagieren.

Unser Rat an Kolleginnen und Kollegen lautet: Nehmt euch ausreichend Zeit, um den Markt wirklich zu verstehen. Polen ist ein spannender Markt. Man sollte ihn aber nicht nur aus der deutschen Perspektive betrachten. Viele Abläufe folgen einer eigenen Logik. Wer offen bleibt, Fragen stellt, und lokale Erfahrung ernst nimmt, kommt deutlich schneller voran.

Wichtig ist außerdem, Veränderungen nicht als Ausnahme zu sehen. Sie gehören in Polen zum Arbeitsalltag. Mit einer guten Struktur, verlässlicher Kommunikation, und einem klaren technischen Blick lassen sich diese Herausforderungen gut bewältigen.