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Im Interview erzählen Martin Dudkiewicz-Grassmann und Grzegorz Sobczuk aus dem Alltag der technischen Betriebsführung in Polen. Was läuft dort anders als in Deutschland und welche Herausforderungen sind zu bewältigen?
Frage: Ihr betreut seit mehreren Jahren polnische
Windenergieprojekte in der technischen Betriebsführung. Was habt ihr in dieser
Zeit über den polnischen Markt gelernt, und welche Erkenntnisse waren für euch
überraschend?
Antwort: Wir haben vor allem gelernt, wie dynamisch sich der
polnische Markt für Erneuerbare Energien entwickelt. Als wir vor sechs Jahren
die ersten Windfelder in Dunowo übernommen haben, gab es noch viele
Unsicherheiten. Einige Marktprozesse wirkten damals unklar. Auch die
regulatorischen Rahmenbedingungen ließen sich nicht immer sofort eindeutig
einordnen.
Überrascht
hat uns vor allem das Tempo, mit dem sich der Markt verändert hat. Viele Themen
kamen gleichzeitig auf uns zu. Neue Anforderungen, angepasste Prozesse, und
veränderte Erwartungen von Behörden oder Marktpartnern gehörten schnell zum
Alltag. Das hat uns gezeigt, wie wichtig eine enge Abstimmung im Team ist. Wir
müssen Entwicklungen früh erkennen, sauber einordnen, und daraus konkrete
Schritte für den Betrieb ableiten.
Gleichzeitig
haben wir gelernt, dass Flexibilität in Polen eine zentrale Rolle spielt. Wer
Projekte dort technisch betreut, muss Abläufe regelmäßig hinterfragen.
Erfahrung hilft dabei sehr. Sie ersetzt aber nicht die tägliche Aufmerksamkeit
für aktuelle Entwicklungen im Markt.
Frage: Was ist in Polen anders als in Deutschland
oder anderen Märkten, in denen ENERTRAG Betrieb aktiv ist? Gibt es kulturelle,
technische oder regulatorische Unterschiede, die ihr bei eurer Arbeit
berücksichtigen müsst?
Antwort: Die kulturellen Unterschiede erleben wir im Arbeitsalltag
nicht als besonders groß. Die Zusammenarbeit funktioniert offen, direkt, und
lösungsorientiert. Viele Themen lassen sich in Polen etwas schneller und
informeller klären als in anderen Märkten. Das merken wir zum Beispiel in der
Abstimmung mit Dienstleistern, Serviceunternehmen, und teilweise auch mit
Behörden.
Daraus
entsteht ein besonderer Arbeitsrhythmus. Viele Beteiligte möchten Themen früh
abschließen und Entscheidungen zügig treffen. Das hilft, weil Prozesse dadurch
Tempo aufnehmen. Gleichzeitig entsteht auch Zeitdruck, besonders wenn
technische, regulatorische, und organisatorische Fragen parallel laufen.
Für
uns bedeutet das: Wir brauchen klare Zuständigkeiten, kurze Kommunikationswege,
und eine gute Vorbereitung. Wer in Polen erfolgreich arbeiten möchte, sollte
schnell reagieren und trotzdem sorgfältig bleiben. Gerade in der technischen
Betriebsführung kommt es auf diese Balance an. Entscheidungen müssen
praktikabel sein. Sie müssen aber auch langfristig zum sicheren und
verlässlichen Betrieb der Windenergieanlagen passen.
Frage: Welche besonderen Stolpersteine oder
Herausforderungen sind euch in Polen begegnet, und wie geht ihr damit um? Was
würdet ihr anderen Kolleginnen und Kollegen raten, die in Polen Projekte
betreuen?
Antwort: Die größte Herausforderung sehen wir darin, mit den
schnellen Veränderungen im polnischen Markt für Erneuerbare Energien Schritt zu
halten. Regeln, Prozesse, und Anforderungen verändern sich häufig. Manchmal hat
man ein Thema gerade verstanden und in die tägliche Arbeit integriert. Kurz
darauf folgt schon die nächste Anpassung.
Das
verlangt viel Aufmerksamkeit und echte Lernbereitschaft. Wir prüfen deshalb
regelmäßig, ob unsere bisherigen Annahmen noch stimmen. Außerdem halten wir den
Austausch mit lokalen Partnern, Dienstleistern, und internen Fachbereichen
bewusst eng. So erkennen wir Veränderungen früher und können schneller
reagieren.
Unser
Rat an Kolleginnen und Kollegen lautet: Nehmt euch ausreichend Zeit, um den
Markt wirklich zu verstehen. Polen ist ein spannender Markt. Man sollte ihn
aber nicht nur aus der deutschen Perspektive betrachten. Viele Abläufe folgen
einer eigenen Logik. Wer offen bleibt, Fragen stellt, und lokale Erfahrung
ernst nimmt, kommt deutlich schneller voran.
Wichtig
ist außerdem, Veränderungen nicht als Ausnahme zu sehen. Sie gehören in Polen
zum Arbeitsalltag. Mit einer guten Struktur, verlässlicher Kommunikation, und
einem klaren technischen Blick lassen sich diese Herausforderungen gut
bewältigen.
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